Globalisierung
Im Rohstoff-Rausch

Lateinamerika und seinen Unternehmen ist der Aufstieg in den Olymp der Globalisierung gelungen. Erstmals sorgt gleich eine ganze Reihe von Konzernen für Schlagzeilen in der internationalen Wirtschaftspresse. Die meisten Firmen profitieren vom Energie- und Bergbauboom. Das macht anfällig für künftige Krisen.

SÃO PAULO. Doch so weit ist es noch nicht. Das abgelaufene Geschäftsjahr führte die Region enger an die großen Industrienationen heran. Der brasilianische Eisenerzkonzern CVRD übernahm den kanadischen Nickelproduzenten Inco. Mexikos Zementriese Cemex kaufte den australischen Baumaterialanbieter Rinker. Der brasilianische Stahlkonzern CSN stritt sich mit dem indischen Mitbieter Tata um den europäischen Konkurrenten Corus. Zudem baut Brasiliens Gerdau die Stellung als größter Hersteller von Flachstählen mit neuen Übernahmen in den USA aus.

Aber auch in Nischen wachsen Weltmarktführer aus Lateinamerika heran: Der brasilianische Fleischproduzent JBS Friboi hat gerade in den USA den Konkurrenten Swift übernommen und ist damit der größte Fleischanbieter der Welt. Nach der Fusion mit der spanischen Tavex ist die brasilianische Santista der größte Baumwoll-Produzent weltweit. Der Textilkonzern Coteminas aus Brasilien hat sich mit dem US-Anbieter für Haushaltstextilien Springs zusammengetan und dominiert den Markt des Doppelkontinents.

Für den OECD-Chefökonomen Javier Santiso verfolgen diese „Multilatinas“ eine neue Strategie bei ihren Investitionen: „In der ersten Phase haben die lateinamerikanischen Konzerne vor allem neue Märkte im Ausland geöffnet. Jetzt investieren sie strategisch, um global wettbewerbsfähig zu sein.“

Die längste Wachstumsphase Lateinamerikas seit 30 Jahren verschafft den Unternehmen das Kapital für die milliardenschwere Übernahmen: Die Kassen der Konzerne sind prall gefüllt. Noch nie zuvor haben die Unternehmen so viel verdient wie im vergangenen Jahr. Die Gewinne der 500 größten Unternehmen nahmen gegenüber dem Rekordjahr 2005 noch einmal um 43 Prozent zu. Derzeit sieht es trotz der aufziehenden Wolken an den Finanzmärkten und der sich abschwächenden Rohstoffhausse nicht danach aus, dass die Wachstumsphase bald vorbei ist. Die Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika, Cepal, rechnet damit, dass Lateinamerika dieses Jahr um fünf und 2008 noch einmal um 4,6 Prozent wachsen wird. Deswegen glaubt Patrice Etlin vom Private-Equity-Fonds Advent, dass der Übernahmeprozess noch länger andauert: „Die Welle läuft jetzt erst richtig an.“

Seite 1:

Im Rohstoff-Rausch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%