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25.08.2005 

„Ich hab zwei Mal in meinem Leben so richtig Angst um meinen Arbeitsplatz gehabt, 1997 und nun wieder“, erzählt Klingel. Ein Doppelkinn zeichnet sich ab, wenn er mit einem Kopfnicken seinen Worten Nachdruck verleihen will – wie jetzt: „1997 haben wir ordentlich Federn gelassen, mehr geht nicht.“ Mit lautstarken Demonstrationen erzwangen die Kumpel von Ruhr und Saar damals von der Kohl-Regierung einen Kompromiss, der ihnen ein paar Jahre Ruhe bescherte. Die ist jetzt vorbei. Klingel, dem sonst nie die Worte fehlen, wird wortkarg, wenn die Kollegen jetzt zu ihm kommen und fragen: „Wie geht es weiter?“

Antworten wird es wohl erst nach der Bundestagswahl geben, wenn die neuen Regierungen in Bund und im Land sich zusammensetzen. Hinter den Kulissen arbeiten die Landespolitiker aber bereits auf Hochtouren daran, um die geplanten Einschnitte zu verwirklichen. Doch noch soll nichts rausdringen. Vor der Bundestagswahl kann die CDU keine Massenproteste gebrauchen.

2,7 Milliarden Euro bekommt der Bergbau in diesem Jahr aus Steuergeldern. Auf jeden der noch 39 000 Kumpel entfallen 70 000 Euro Subventionen jährlich. Denn deutsche Kohle kostet rund dreimal so viel wie gleichwertige Ware aus Polen, Australien oder Südafrika. Die Differenz – rund 100 Euro pro Tonne – zahlen die Steuerzahler.

Klingel wehrt sich gegen das Bild eines Staatskohleschnorrers. „Ich mach meine Arbeit und werde dafür bezahlt.“ Im Licht seiner Grubenlampe schimmert silbrig-schwarze Steinkohle, während einige Meter weiter ein gewaltiger Hobel vorbeirast. Das Monstrum greift mit seinen Klauen in die Kohle und wirft die Brocken auf ein Transportband.

Für Klingel stellte sich nie die Frage, ob er wirklich auf dem Pütt arbeiten sollte: „Vater, Großvater, Onkel, Nachbarn, alle haben sie hier ihr Geld verdient.“ Da habe es sich automatisch ergeben, dass er mit 14 Jahren seine Ausbildung zum Elektriker auf der Zeche machte. Für seinen Sohn Daniel gilt das nicht. Der will Medizin studieren.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Der Abwickler

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