Es ist ein schwacher Trost, aber für Jörg Buhren-Ortmann gibt es keinen anderen mehr. „Es ist so wie in der Bundesliga, es gibt Abstiegskandidaten, und wir sind jetzt einer davon“, sagt der Betriebsratschef der Zeche Lohberg-Osterfeld in Dinslaken, während er die Zukunft seiner Leute plant, sie zu anderen Zechen oder in die Anpassung, den vorgezogenen Ruhestand, schickt. Denn die Zeche Lohberg-Osterfeld hat keine Aufstiegsmöglichkeit mehr, sie wird im April 2006 geschlossen.
Viele der verwitterten Backsteingebäude auf dem 40 Hektar großen Areal stehen bereits leer, bald wird das Wasser in der einen Hälfte der Duschen in der Kaue abgestellt, die Maschinen demontiert, geraubt, wie der Bergmann sagt. Buhren-Ortmann: „Wir haben im Betriebsrat derzeit eine Arbeitsbelastung von mehr als 100 Prozent, da merkt man zum Glück gar nicht, dass es hier um Abwicklung geht.“ Seine langsamen Bewegungen, die blauen Augen, die müde hinter der Brille blinzeln, und die Furchen in dem teigigen Gesicht sprechen da eine andere Sprache.
Was aus ihm wird, ist noch unklar: „Ich werde hier das Licht ausmachen, so viel steht fest.“ Und was danach auf das Gelände kommt: Kleingewerbe, Miethäuser für altersgerechtes Wohnen und vielleicht die Feuerwehr – das füllt allerdings nur einen Teil des Geländes.
„Wer glaubt, es gebe eine Ersatzindustrie für den Bergbau, der täuscht sich“, sagt Hans Heinrich Blotevogel, Ruhrgebietsforscher und Wirtschaftsgeograph an der Universität Dortmund. Es sei eine sehr mühsame und kleinteilige Angelegenheit, neue Jobs zu schaffen. Hier ein bisschen Tourismus und Kultur, dort etwas Dienstleistung und Mikroelektronik – das ist der einzige Weg. „Man muss Unternehmen aus verschiedenen Bereichen anlocken und eine krisensichere Mischung schaffen“, sagt Blotevogel. Städte im südlichen Ruhrgebiet sind diesen Weg schon gegangen, das nördliche Revier hat das noch vor sich.
Die verhängnisvolle Monokultur, die den Kohlenpott Jahrzehnte beherrschte, war hausgemacht. Denn die Ansiedlung anderer Industriezweige wurde sogar blockiert, weil sich die Kohle ihren Einfluss auf Politik und Arbeiter nicht durch andere schmälern lassen wollte. Als Ford um 1960 ein neues Zweigwerk in Herten errichten wollte, schlossen sich Montanfirmen zusammen und kauften den Autobauern das Grundstück vor der Nase weg.
Anfang der 60er-Jahre wollte auch Opel ein Werk im Ruhrgebiet bauen – in Gelsenkirchen. Die Stadt lehnte das Angebot aber ab, weil die Arbeitskräfte dem Bergbau zur Verfügung stehen sollten.
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