Er berichtet über die „einzigartige Bauhaus-Architektur“ und die „einmaligen Sichtachsen“, über die von Joseph Beuys inspirierte Bildhauerin Hede Bühl und den Star-Architekten Sir Norman Foster. Mit trockenem Witz und rauem Charme erzählt Werner Pinnow solche Geschichten, als hätte er nie etwas anderes getan, als Touristen über das Gelände der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg zu führen und ihnen zu erklären, was hier entsteht: In der einst leistungsstärksten Zeche des Ruhrgebiets wird keine Kohle mehr gefördert, sondern Kunst und Kultur.
Dabei hatte der 73-jährige Rentner mit Beuys und Co. eigentlich nie viel im Sinn. Bis vor knapp 20 Jahren hat er hier auf Zollverein als Reviersteiger in der Kohleaufbereitung gearbeitet. Im Dezember 1986, am Tag vor Heiligabend, ist die Zeche stillgelegt worden. Der Niedergang der Kohle hatte hier bereits in den 50er-Jahren begonnen. Im Februar 1958 gab es die ersten „Feierschichten“ im Revier. Öl und später Gas läuteten das Ende des Kohlenzeitalters ein, waren billiger und viel einfacher zu haben.
Zeitweise – wie 1860 – hat es bis zu 277 Zechen gleichzeitig im Ruhrgebiet gegeben, mehr als 400000 Menschen förderten zu Hochzeiten 1944, als die Kriegswirtschaft auf vollen Touren lief, die Kohle zu Tage.
Gerade sechs Zechen sind zwischen Ruhr und Lippe übrig geblieben, nimmt man das restliche Nordrhein-Westfalen und das Saarland hinzu, sind es neun. Schicke Kulturstätten und sauber geharkte Landschaftsparks haben die bizarren Haldenlandschaften und unwirtlichen Gelände abgelöst. Der Strukturwandel ist offenbar auch in den Köpfen der Menschen angekommen. „Inzwischen verbinden vor allem junge Leute mit dem Wort Zeche eine Großdisco in Bochum“, erzählt Ruhrgebietsforscher Blotevogel. Und laut Umfragen hält die Mehrheit der Menschen im Revier die Zeit des Bergbaus für „ablaufend oder bereits abgelaufen“.
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