GM-Boss Dan Akerson Er kam, sah - und feuerte

Der Rauswurf von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke war keinesfalls von langer Hand geplant. Es war vielmehr ein Spontanentschluss von GM-Boss Dan Akerson beim Besuch in Rüsselsheim - eine Entscheidung mit verheerenden Folgen auch für Opel.
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GM-Boss Dan Akerson forderte Stracke zum sofortigen Rücktritt auf. Quelle: picture alliance/dpa

GM-Boss Dan Akerson forderte Stracke zum sofortigen Rücktritt auf.

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Frankfurt/HamburgAls Dan Akerson von Detroit zum Opel-Stammsitz nach Rüsselsheim flog, wollte er sich eigentlich nur ein Bild von der schwierigen Lage der GM-Tochter machen. Doch als Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke dem Boss von General Motors (GM) am Donnerstag mitteilte, bei dem Sanierungsplan 2016 gebe es noch eine Unterdeckung in dreistelliger Millionenhöhe, riss Akerson der Geduldsfaden. Opel hatte sich ein weiteres Mal nicht an die Vorgaben gehalten. Ein weiteres Mal spielten die Rüsselsheimer auf Zeit - diesen Eindruck gewann offenbar Akerson.

Impulsiv forderte er den überraschten Stracke zum sofortigen Rücktritt auf. Das Vorgehen ist ebenso unbedacht wie typisch für den früheren Navy-Offizier Akerson, den das Handelsblatt einmal als "den Ungeduldigen" porträtiert hatte. Als Akerson vor einigen Jahren in einem deutschen Krankenhaus an der Galle behandelt wurde, berichtete die "Washington Post", dass er sich selbst die Schläuche aus dem Arm gerissen habe und zurück in die USA geflogen sei. Die deutschen Ärzte seien ihm zu langsam gewesen.

Das Prinzip des "hire and fire" entspricht Akersons Temperament. Bevor er 2010 zum GM-Chef aufstieg, arbeitete er für die US-Beteiligungsgesellschaft Carlyle. Andere Firmen zu kaufen und sie nach dem Abbau von Jobs gewinnbringend wieder zu verkaufen war sein Tagesgeschäft. Rücksicht zu nehmen gilt in der Branche der Beteiligungsmanager als Willensschwäche.

Für Opel sind die Folgen dieser Spontanität allerdings verheerend. GM-Vizechef Stephen Girsky übernahm am Donnerstag zusätzlich Strackes Posten. Doch er wird der Vorstandschef mit der kürzesten Amtszeit in der 150-jährigen Geschichte des Autobauers sein: Bereits morgen soll der Aufsichtsrat Strategievorstand Thomas Sedran zum Vorstandsvorsitzenden befördern, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen. Doch auch der 47-jährige Sedran soll Opel nur kommissarisch führen. GM will sich bei der Suche nach einer Dauerlösung bis Ende dieses Jahres Zeit lassen.

Der Autobauer versinkt im Führungschaos - mal wieder. Bei Opel hielten sich in den vergangenen sechs Jahrzehnten die Chefs im Schnitt nicht einmal vier Jahre. Branchenkenner kritisieren, das Image der Marke Opel werde weiter lädiert. "Bei Opel herrschen Chaostage", sagt ein Insider.

Dabei ist die Lage schon dramatisch. In diesem Jahr droht der sechste hohe Verlust in Folge. In den ersten fünf Monaten verkauften Opel und die Schwestermarke Vauxhall in Europa fast 16 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum. Mit 370.000 Neuwagen erzielte Opel gerade noch 6,8 Prozent Marktanteil - in den 60er-Jahren lag der Anteil noch bei 25 Prozent.

Fraglich ist, ob der Sanierungsplan von Stracke und Girsky haltbar ist. Er sah bis 2016 weder Werksschließungen noch Kündigungen vor und setzte stattdessen auf den Erfolg zahlreicher neuer Modelle. Rausschmeißer Dan Akerson will aber Ergebnisse sehen. Sonst betrifft das "hire and fire" nicht mehr nur das Management.

Vor den Trümmern der eigenen Ambitionen
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18 Kommentare zu "GM-Boss Dan Akerson: Er kam, sah - und feuerte"

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  • Ich habe mir 2008 meinen ersten OPEL gekauft und bin bis heute sehr zufrieden damit. Nach jetzt knapp 150 tkm werde ich im Gegesatz zu meinen vorherigen Fahrzeugen diesen weiter fahren, weil er einfach noch tip top in Schuss ist. Wenn das schlecht reden von OPEL weiter geht, fällt mir die Entscheidung voraussichtlich nicht schwer. Wieder ein OPEL, günstiger bekomme ich nicht diese Qualität.

  • Na schön, halt wieder mal typisch, die Fehler der Ä....e an der Spitze werden von den Legionen bezahlt. Ich tippe auf knapp 5 stellige Rauswürfe statt den Weltmarkt für Opel zu öffnen. Die Amis sanieren GM nur in USA und machen den Rest dabei platt.
    Wie gehabt! Same procedure as every year...

  • Hier herrschen zum Glück noch Marktgesetze.Der Kunde hat die Auswahl und entscheidet in den meisten Fällen gegen Opel (Peugeot,Fiat etc.). So ist es eben, Nostalgiker haben da schlechte Karten. Opel wird diesen Wirtschaftskampf nicht überleben, egal ob Managementfehler oder andere Gründe vorliegen.

  • machen Sie sich doch nicht lächerlich, der (ehemals) weltgrößte Automobilkonzern existiert nur noch dank einer deutschen Kleinwagen Marke Namens Opel?! Zudem ist GM ist doch mit diesen Produkten auf dem US Markt vertreten der Chevrolet Cruze entspricht fast 1:1 dem Opel Astra. Wieso sollte GM dann auch noch den Astra in den USA verkaufen?

  • Die oben beschriebenen Kommentare kann ich teilweise nicht verstehen. Das haben die innovativen Ingenieure aus Rüsselsheim, welche derzeit wirklich klasse Fahrzeuge bauen!, und welche zudem keinen Punkt schlechter - im Gegenteil häufig sogar besser sind als die Wettbewerbsfahrzeuge aus Wolfsburg, Köln oder Korea, wahrlich nicht verdient. Wer anderes behauptet, sollte einmal eine Probefahrt in einem Corsa, Astra, Zafira und/oder Insignia machen und sich vom Gegenteil überzeugen. Meiner persönlichen Meinung nach, baut Opel in dem für die breite Mittelschicht bezahlbaren Segment, die besten Fahrzeuge, und dies nicht nur in Hinblick auf das oft argumentierte "Preis/- Leistungsverhältnis". Viel zu schnell in Vergessenheit geraten ist die jüngere Vergangenheit (2008/2009), als GM kurz vor dem Bankrott stand und nur durch Bürgschaften der eigenen Regierung noch am Leben gehalten werden konnte. Desweiteren haben die Rüsselsheimer in den letzten 30 Jahren fleissig ihre Gewinne brav nach Detroit überwiesen, um die Konzernbilanz in nicht unerheblichen Masse postiv zu gestalten, wobei letzters heute scheinbar niemanden, in der von Smartphones und anderen "Hypespielzeugen" geprägten Gesellschaft, mehr interessiert. Losgelöst von der konzernweiten Politik des Top-Managements, welches durch teilweise agessive Werbung in den Medien die Billigfahrzeuge der Hausmarle "Chevrolett" versucht verstärkt an den Mann zu bringen, vergessen viele den sich erst mittelfristig auswirkenden Aspekt der Qualität, welcher sich aber erst in 5-7 Jahren bemerkbar machen wird. Anscheinend gilt für viele der Fahrzeugkonsumenten, immer denoch der "Geiz ist Geil-Slogan".
    Leider wird uns daher nur die Zeit eine passende Antwort geben.


  • Ihre Stellungnahme ist absolut richtig; es wird nur eine Lösung geben - egal ob sie einige Monate früher oder später kommt.

    Das Ende von Opel ist nahe und überfällig.

  • VW bietet das Beste in den USA an was sie haben und zudem noch aus Deutschland kommt!! GM lässt stattdessen mit Opel ihr deutsches Engineering nicht auf den amerikanischen Markt!! Ein riesiger Fehler!!!
    Ohne Opel hätte GM schon längst den Anschluß zur Konkurrenz verloren!! Wahrscheinlich gäbe es GM schon lange nicht mehr . . . . !

  • Auch zu Zeiten von den "alten Marken von Opel Admiral,Kapitän,Kadett" gehörte Opel GM. Vergessen Sie nicht das Opel seit 1929 GM gehört. Ohne GM würden wir Opel heute wahrscheinlich überhaupt nicht mehr kennen! Opel ist im Prinzip kein eigenständiges Unternehmen sondern eine Marke von GM! Diese Marke ist nunmal für den europäischen Markt vorgesehen. Warum sollte GM diese Marke auf dem US Markt anbieten? VW bietet Seat auch nicht in den USA an.

  • Opel ist seit 1929 hundertprozentige Tochter von GM. Sollten aus dieser Zeit noch Darlehen ausstehen, so wären Sie spätestens mit der Währungsreform Makulatur geworden...falls nicht, hätte GM diese Darlehen in den letzten 15 Jahren mit den zig Milliarden Transfers an Opel spätestens getilgt, also der amerikanische Steuerzahler, der GM aus der Pleite holte.
    Als ehemaliger Opelhändler kann ich bestätigen, dass die horrenden Verluste nicht durch interne Verrechnungstricks zustande gekommen sind, sondern durch aberwitzig hohe Subventionen in Marketing und Verkauf, wie Zulassungs-, Eintauschprämien, Leasingsonderkonditionen, subventionierte Restwerte etc. etc., was letztlich zu hohen Wertverlusten bei Gebrauchtwagen und damit einhergehenden Imageverlust führte.

  • Glaubt GM tasächlich, mit Personalabbau ohne Ende, wird man künftig wieder schwarze Zahlen schreiben? Dieses Märchen heißt: Wo kein Geld - da keine Abnehmer, das ist Fakt!

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