10.11.2005

Bilanzen müssen neu aufgestellt werden: GM frisiert „aus Versehen“ die Bilanz

Der ohnehin schon schwächelnde US-Autokonzern General Motors hat ein neues Problem. Das Unternehmen hat in Vorjahren viel zu hohe Gewinne ausgewiesen. Kredite seien "irrtümlich" als Einnahmen verbucht worden. Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit mehr als 15 Jahren.

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HB DETROIT. Der Reingewinn des Jahres 2001 sei "irrtümlich" um 300 Millionen bis 400 Millionen Dollar zu hoch in der Bilanz ausgewiesen worden, berichtet die Muttergesellschaft der deutschen Adam Opel AG am Mittwoch in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC. Das Zahlenwerk müsse neu erstellt werden, weil einige Lieferantenkredite “aus Versehen“ als Einnahmen gebucht worden seien. Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft sei dadurch um 25 Prozent bis 35 Prozent zu hoch ausgewiesen worden. Wirtschaftsprüfer sei Deloitte & Touche gewesen.

Die nachfolgenden Jahresabschlüsse müssten möglicherweise ebenfalls geändert werden - jedoch in “unwesentlichem Ausmaß“. Der Konzern werde die Bilanzen der Folgejahre auf Fehler durchsehen. Die Überprüfung des Falles sei noch nicht endgültig abgeschlossen.

Unmittelbar zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Bonitätsbewertung des größten US-Autokonzerns noch tiefer in den „Ramsch“-Bereich herabgestuft. Erst vor wenigen Tagen hatte auch Moody's Investors Service das bereits auf spekulatives Niveau reduzierte Langfrist-Rating von GM gesenkt. Ein niedrigeres Rating bedeutet höhere Kosten bei der Kreditbeschaffung.

Im Oktober hatte der Autokonzern auf seinem Heimatmarkt USA den dritten Monat in Folge einen Absatzeinbruch hinnehmen müssen. Zudem hat GM allein im dritten Quartal einen Verlust von 1,6 Milliarden Dollar eingefahren und damit weit mehr als von Branchenexperten erwartet. Nach neun Monaten summierten sich die Verluste auf netto rund 3 Milliarden Dollar, was vor allem auch mit hohen Kosten begründet wurde.

Darüber hinaus belastet GM die Insolvenz des Automobilzulieferers Delphi den Konzern. GM hatte bei der Abspaltung der früheren Tochter 1999 vereinbart, Pensionszahlungen für Delphi zu übernehmen, falls dieser vor 2007 zusammenbricht. GM fürchtet nun im schlimmsten Falle Belastungen von 12 Milliarden Dollar.

Die GM-Aktien waren am Mittwoch weiter um 4,8 Prozent auf 24,63 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als 15 Jahren abgesackt. Sie hatten gegen Ende 2004 noch bei 40,82 Dollar gelegen. Sie haben seither knapp 40 Prozent an Wert verloren. Noch im Jahr 1999 notierte das Wertpapier bei über 93 US-Dollar.

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