GM in der Krise
Hoffen bei Saab und Volvo

"Viel schlimmer als jetzt kann es gar nicht mehr kommen". So nüchtern und pragmatisch wie der Kommentar eines Saab-Arbeiters am Stammwerk in Trollhättan zur aktuellen Krise der schwedischen Fahrzeugbranche verhalten sich auch die Politiker des Landes.

STOCKHOLM. Die Ankündigung der Mutterkonzerne General Motors (GM) und Ford, die beiden schwedischen Töchter möglicherweise zu verkaufen, verleitete die Regierung in Stockholm nicht zu populistischen Versprechen. Im Gegenteil: "Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Autofabriken zu betreiben", sagte die zuständige Industrieministerin Maud Olofsson schon vor Wochen und gab damit denjenigen, die ein staatliches Hilfspaket für die beiden schwedischen PKW-Herstellern forderten, eine klare Abfuhr.

Auch die Prognosen von Branchenexperten, es stünden bis zu 150 000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, wenn die beiden Auto-Bauer verschwinden, hat die Haltung der bürgerlichen Regierung nicht maßgeblich verändert. Man könne sich Infrastrukturprojekte und Forschungsbeihilfen vorstellen. Gerichtete Subventionen oder Kredite an Saab und Volvo seien aber dem Steuerzahler nicht zuzumuten. Außerdem, so betonte ein Sprecher von Olofsson gegenüber dem Handelsblatt, seien solche direkten Hilfen für einzelne Konzerne nur schwer vereinbar mit dem EU-Regelwerk.

So stehen nun zwei Kleinode der schwedischen Wirtschaftsgeschichte möglicherweise vor dem Aus. Einer der renommiertesten Automobil-Journalisten des Landes, Håkan Matson von "Dagens Industri", glaubt nicht an dieses Szenario. Er geht davon aus, dass die in akute Finanzprobleme geratenen Mutterkonzerne ein "Spiel für die Galerie" trieben. Man versuche mit den Verkaufsabsichten Handlungskraft gegenüber der Politik in Washington zu demonstrieren, um die dringend benötigten Finanzspritzen zu erhalten.

Die Frage, die sicht nur Matson stellt, lautet: "Wer möchte Saab oder Volvo kaufen?" Die nüchterne Analyse von Industrieministerin Olofsson: "Es haben sich nicht unbedingt lange Schlangen von Interessenten vor den Toren der beiden Auto-Konzerne gebildet". Während Volvo bis vor zwei Jahren noch satte Gewinne in Höhe von insgesamt 3,5 Mrd. Euro an Ford überwiesen hat, fuhr Saab seit der Übernahme durch GM vor elf Jahren insgesamt 25 Mrd. Kronen (2,4 Mrd. Euro) an Verlusten ein. Mit Ausnahme von zwei Quartalen musste die GM-Tochter stets rote Zahlen nach Detroit melden.

Saab-Chef Jan-Åke Jonsson sieht einen Verkauf der Traditionsmarke aus dem hohen Norden nicht einmal als zweite Option. Vielmehr will er versuchen, Zulieferer davon zu überzeugen, sich an einzelnen Projekten von Saab finanziell zu beteiligen. Ein Vorschlag, der vom Verband der schwedischen Automobilzulieferer bereits zurückgewiesen wurde.

Einen Verkauf von Saab hält Jonsson auch aus einem anderen Grund nicht für realisierbar: "Wir sind so stark in die GM-Struktur integriert, dass ein Herauslösen nicht möglich ist", sagt er. Während Volvo wegen einer starken Marke eventuell einen Käufer finden könnte, gibt es für den Auto-Experten Matson für Saab nur zwei Alternativen: Entweder bleibt das Unternehmen Mitglied der GM-Familie oder die Marke verschwindet ganz.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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