GM nimmt viel Know-how aus Italien mit: Der Kampf um Köpfe und Konzepte beginnt

GM nimmt viel Know-how aus Italien mit
Der Kampf um Köpfe und Konzepte beginnt

Die Scheidungsverträge von General Motors und Fiat sind verfasst, die Eckdaten festgelegt, nun kommen die Probleme der Umsetzung.

hof FRANKFURT. „Die Auflösung der Kapitalverflechtung und die juristische Trennung des Joint Ventures wird nicht länger als drei Monate dauern“, sagte ein GM-Sprecher unmittelbar nach Abschluss der Vereinbarung.

Doch die eng verwobenenen Einkaufs-, Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten vollständig zu trennen werde ein „Prozess von Jahren“, räumte er ein. Die Teilung kostet nicht nur Zeit, sondern beide Seiten auch zusätzliches Geld, mutmaßt Albrecht Denninghoff, Autoexperte der Hypo-Vereinsbank.

Dabei könnten sich die vermeintlich größten Brocken als die kleineren Probleme erweisen. Die 15 gemeinsam geführten Produktionsstätten sollen getrennt und jeweils an den ursprünglichen Partner zurückgegeben werden, heißt es im Verhandlungsergebnis. Um Probleme bei den aktuellen Produkten zu vermeiden, haben beide Seiten Liefergarantien vereinbart.

Schwieriger als bei der Produktion könnte es beim Einkauf werden. In den vergangenen fünf Jahren wollen beide Unternehmen durch den gemeinsamen Einkauf je eine Milliarde Dollar eingesparen. Nach einer Trennung hätte GM als der eindeutig größere Partner mit einem jährliches Produktionsvolumen von rund acht Millionen Fahrzeugen eindeutig mehr Macht. Die Formulierung, dass Fiat auch in Zukunft die Möglichkeit haben wird, am GM-Einkauf teilzuhaben, ist bislang eine lose Absichtserklärung. Denn GM wird dem neuen Konkurrenten seiner europäischen Volumenmarke Opel sicher keine Schnäppchenpreise anbieten, glauben Analysten.

Zusammenraufen müssen sich die beiden Konzerne zumindest „noch eine Modellgeneration lang“, bestätigt Patrick Juchemich, Autoexperte beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Denn schließlich werden die neuen Modelle Fiat Punto und Opel Corsa sowie Fiat Croma und Opel Vectra auf gemeinsamen Plattformen gebaut. Bis die Trennung abschließend vollzogen ist, wird es also noch mindestens sechs bis sieben Jahre dauern, zumal die Autos noch nicht einmal auf dem Markt sind. Die beiden Fiats kommen im Laufe dieses Jahres zu den Händlern, Opel wird seine Modelle erst später erneuern.

Sprengstoff birgt auch der Personalbereich, sagen Branchenkenner. Denn in den bislang gemeinsam geführten Entwicklungsabteilungen werden sich die Ingenieure für Fiat oder GM entscheiden müssen. Beim Kampf um die Spezialisten haben die Amerikaner wegen der schwelenden Krise beim italienischen Autobauer zurzeit – wie es aussieht – ebenfalls die besseren Karten: Sie können die besseren Konditionen bieten. Besonders hart dürfte dieser Kampf im Bereich Dieselmotoren-Entwicklung geführt werden. GM hat sich zwar das aktuelle Fiat-Know-How in diesem Bereich gesichert und wird dafür auch keine Lizenzgebühren entrichten müssen, braucht jedoch für die Weiterentwicklung der Antriebe nun eigene Experten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%