GM/Opel
Nervenkrieg um Opel

Die Rettung des Autobauers Opel ist zu einem Pokerspiel geworden. Lange sah es so aus, als ob der Autozulieferer Magna bei Opel zum Zug kommen würde - das ist aber längst noch nicht ausgemacht. Demonstrativ offen flirtet General Motors mit dem chinesischen Autobauer Baic und dem Finanzinvestor RHJ. GM lässt die Muskeln spielen.

HB FRANKFURT. Eigentlich schien die Übernahme von Opel durch den kanadisch-österreichischen Zuliefererkonzern Magna bereits eine ausgemachte Sache zu sein. Doch die laufenden Verhandlungen zwischen Magna und dem Opel-Mutterkonzern General Motors mutieren in der Endphase erneut zum Nervenspiel. Demonstrativ flirtet GM mit den weiter interessierten Magna-Konkurrenten, dem Finanzinvestor RHJ und dem chinesischen Hersteller Baic, und bringt eine Rückkaufoption ins Spiel, um den Druck auf Magna bei den laufenden Gesprächen zu erhöhen.

Doch in Verhandlungskreisen heißt es unverändert, dass der Zuliefererkonzern die besten Aussichten hat, den Zuschlag zu erhalten. Die Lage ist allerdings komplex - und selbst für viele Branchenkenner nur noch schwer einzuschätzen. Der Opel-Aufsichtsrat will sich auf einer heutigen Sitzung in Rüsselsheim mehr Klarheit verschaffen. IG Metall-Vertreter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild appelliert bereits an alle Seiten, die Gespräche nicht zu verzögern und eine rasche Einigung anzustreben.

Doch was viele übersehen hatten: Die eigentlichen Verhandlungen zwischen Magna und GM begannen erst nach der spektakulären Einigung auf ein Memorandum of Understanding in einer Nachtsitzung Ende Mai im Kanzleramt. Genau drei Seiten umfasst das Papier, das rechtlich nicht bindend festlegt, dass Magna mit seinen russischen Partnern die Mehrheit an Opel übernimmt.

Viele Details und auch die manche ungeklärte Machtfrage zwischen beiden Seiten kamen erst in den folgenden Wochen auf den Tisch und sollten nach bisherigen Vorstellungen bis Mitte Juli in einem bindenden Vorvertrag münden. Doch die frühe Festlegung auf Magna brachte den Zulieferer in eine komfortable Verhandlungsposition, weshalb Politik und GM nun bemüht sind, dass Rennen um Opel wieder als möglichst offen darzustellen.

So ist aus GM-Konzernkreisen nun zu hören, dass der US-Konzern auch mit RHJ und Baic unverbindliche Absichtserklärung über Opel anstrebe. Unverkennbar soll dies den Druck auf Magna erhöhen und den Zuliefererkonzern für weitere Zugeständnisse empfänglich machen. So brachte GM zuletzt eine Rückkaufoption für Opel ins Spiel, die Magna allerdings ebenso wie die deutsche Politik ablehnt. Teile des US-Managements würden nach der erfolgten Insolvenz bereits wieder von einem erstarkten GM-Konzern träumen, der sich auch wieder Opel einverleiben könnte, sagen Personen, die mit der Situation vertraut sind.

Seite 1:

Nervenkrieg um Opel

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%