GM scheut Werkschließungen
Opel drängt auf ein neues Sparpaket

Der Opel-Mutterkonzern General Motors versucht, in Europa einen massiven Konflikt mit der Belegschaft zu vermeiden: Auf der am Dienstag anstehenden Verhandlungsrunde dürfte das Management den Vertretern der Arbeitnehmerseite ein Angebot machen. Den Erhalt aller Werke müsste die Belegschaft allerdings teuer erkaufen.

FRANKFURT. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird GM-Europapräsident Carl-Peter Forster bei der nächsten Verhandlungsrunde am Dienstag zur Zukunft der Astra-Werke den Erhalt aller Fertigungsstätten in Aussicht stellen, wenn ein neues Sparpaket vereinbart werde. Die Zukunft der bestehenden Astra-Werke wie Bochum und Antwerpen scheint damit gesichert. Eine Entscheidung über die nächsten Produktionsstätten für das wichtigste GM-Modell in Europa gebe es aber noch nicht, hieß es. GM-Führungskräfte hatten in der Vergangenheit mehrfach mit der Schließung einer Fertigungsstätte im Zuge der Neuvergabe der Produktion für den nächsten Kompaktwagen gedroht. Ein Sprecher der Konzernmutter GM wollte die Informationen nicht kommentieren.

Das Management des amerikanischen Autoherstellers will auf dem Treffen in Brüssel die Arbeitnehmervertreter offiziell über seine Planungen für die künftigen Fertigungsstandorte für den Astra informieren. Im schwelenden Konflikt um Stellenabbau und Kostensenkungen bei GM in Europa bemühen sich damit sowohl die Manager als auch Arbeitnehmervertreter um Deeskalation. Die europäische Arbeitnehmervertretung von GM in Europa, das europäische Arbeitnehmerforum (EEF) des US-Konzerns, hatte bereits Ende vergangener Woche die Bereitschaft zu deutlichen Zugeständnissen signalisiert, um eine Werksschließung in Europa zu verhindern. Die Belegschaften von Opel und anderer GM-Töchter in Europa hatten Entgegenkommen bei Arbeitszeiten oder künftigen Gehaltsrunden angeboten, um eine drohende Werksschließung zu verhindern. Auf diese Weise könnten nach ihren Berechnungen rund 290 Mill. Euro eingespart werden.

Ein weiterer Stellenabbau bei GM in Europa ist damit allerdings noch nicht vom Tisch. GM plant bei der nächsten Baureihe des Astra, dessen Produktion Ende 2009 startet und der Anfang 2010 auf den Markt kommen wird, mit drastischen Produktivitätsfortschritten, die für die Montagewerke den Verlust tausender Arbeitsplätze bedeuten könnten. Die Arbeitnehmer befürchten den Verlust von bis zu 4 500 Stellen bei der Einführung des neuen Modells, davon allein 1 700 Jobs in Bochum. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz als oberster Arbeitnehmervertreter von GM in Europa will jedoch mit der Verlagerung von neuen Produktionsaufträgen nach Europa einen deutlichen Stellenabbau verhindern. „Globale Architekturen bieten mehr Derivate mit Nischen-Fahrzeugen und damit Wachstumspotenzial an. Wir wollen in Europa ein größeres Stück aus dem globalen Kuchen“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt.

Management und Arbeitnehmer von GM hatten Mitte März die Verhandlungen über den wichtigsten Produktionsauftrag des Konzerns in Europa aufgenommen. Um den Bau des neuen Kompaktmodells bewerben sich europaweit fünf Fabriken. Neben den Opel-Werken in Bochum und im belgischen Antwerpen sowie im polnischen Gliwice sind dies das Vauxhall-Werk im britischen Ellesmere Port und das Saab-Werk im schwedischen Trollhättan. Laut Opel-Gesamtbetriebsratschef Franz dürften die Astra-Werke ab 2010 Kapazität für 230 000 Wagen zu viel haben. Das entspricht ungefähr einem Werk wie Bochum oder Antwerpen. In den fünf Werken sind nach GM-Angaben derzeit insgesamt rund 18 200 Menschen beschäftigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%