GM setzt in Europa den Belegschaften die Pistole auf die Brust
Opel: Was jetzt kommt, wird hässlich

General Motors wird voraussichtlich am Donnerstag den Sanierungsplan für seine europäischen Autowerke bekannt geben. Dabei geht es um die Streichungvon bis zu 12 000 Jobs. Die Hauptlast wird die deutsche GM-Tochter Opel tragen. Deren Werk in Bochum gilt als hochgradig gefährdet.

RÜSSELSHEIM/TROLLHÄTTAN. Tief hängen die Wolken an diesem Tag über Westschweden. Trollhättan, im Einzugsgebiet von Schwedens „heimlicher Hauptstadt“ Göteborg, macht an diesem Dienstag seinem Namen als grau- triste Industrie- und Verwaltungsstadt alle Ehre. Und als wäre das kaltnasse Klima nicht schon genug, schauen auch die Menschen besorgt aus. Welch ein Kontrast, dass die Fremdenverkehrsbroschüre Trollhättan als „Stadt mit Zukunft“ bewirbt.

In der Fußgängerzone der 53 000-Einwohner-Stadt ist die Zukunft von Saab das alles beherrschende Gesprächsthema. Ob im Café am Folkets Hus, dem Haus des Volkes, oder am Imbiss an der Bushaltestelle, überall diskutiert man die Krise des amerikanischen Autoherstellers General Motors (GM), die ihre langen Schatten bis zur Tochter Saab geworfen hat. „Ohne Saab können wir einpacken“, sagt ein älterer Mann, der selbst früher bei dem kleinen schwedischen Autohersteller am Band gestanden hat.

Die miese Stimmung spiegelt sich Hunderte von Kilometern weiter südlich wider. „Jeder hier bei Opel hat Angst“, meint der 56-jährige Lagerarbeiter Francesco Masdea im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim. Seit das Vorhaben des US-Autogiganten GM vor wenigen Wochen publik wurde, den neuen Opel Vectra und den neuen Saab 9-3 auf der gleichen Plattform und eventuell nur noch in einer Fabrik, in Rüsselsheim oder im schwedischen Trollhättan, bauen zu lassen, bangen die Beschäftigten um ihre Jobs. „Das ist kein Kampf zwischen Deutschland und Schweden“, beschwichtigt zwar Saab-Chef Peter Augustsson. Doch genau so empfinden es viele Arbeiter der betroffenen Werke. „Das ist eine ganz unglückliche Sache, wenn ein Werk gegen das andere ausgespielt wird“, klagt der 58-jährige Gerhard Wolf aus dem Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim.

Auch an einem zweiten deutschen Opel-Produktionsstandort geht die Angst um, dass der Sanierungsplan von General Motors zuschlagen könnte – in Bochum, wo etwa 6 000 Beschäftigte die beiden Opel-Modelle Astra-Kombi und Zafira fertigen. In den vergangenen Jahren waren die Bochumer Betriebsräte wegen ihrer lautstarken Forderungen sogar bei der IG Metall gefürchtet. Doch inzwischen sind die einst so aggressiven Arbeitnehmervertreter deutlich leiser geworden. „Die wissen auch, was die Stunde geschlagen hat“, erzählt ein Bochumer Opel-Manager.

Die Beschäftigten der deutschen GM-Tochter müssen nur auf die Zahlen schauen: Die Arbeitskosten in Rüsselsheim und Bochum liegen um 45 Prozent höher als in Schweden, hat die B&D Forecast ausgerechnet. Da die Autohersteller mit etwa 15 Prozent Personalkostenanteil an den Gesamtkosten arbeiten, ist das Auto aus Deutschland damit knapp sieben Prozent teurer als ein in Schweden gefertigter Wagen. Das kann sich kein Hersteller langfristig als Kostennachteil erlauben.

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