GM-Tochter
Bieterkampf um Opel steht vor der Wende

Im Rennen um Opel zeichnet sich eine überraschende Wende ab: Entgegen allen bisherigen Erwartungen läuft es bei der Investorensuche nicht geradlinig auf den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zu. Die ehemalige Opel-Mutter General Motors facht den Preispoker noch einmal an. Und möglicherweise laufen sich sogar weitere Bieter warm.

FRANKFURT/BERLIN. Der insolvente US-Autokonzern General Motors facht das Preispoker um seine Ex-Tochter Opel weiter an. "Wir sprechen mit verschiedenen Bietern", sagte ein GM-Sprecher dem Handelsblatt. "Der Ausgang ist offen." Zwischen der ehemaligen Opel-Mutter und Magna existiert nur eine Absichtserklärung. "Dieses Memorandum of Understanding besitzt keine rechtliche Bindung", sagte Fred Irwin, der Vorsitzende des Opel-Treuhänderbeirats, dem Handelsblatt. "Allen Interessenten stehen die gleichen Informationsrechte zu", sagte er

Damit wird immer klarer, dass das Rennen der Interessenten für einen Einstieg bei Opel noch längst nicht entschieden ist. Unternehmenskreisen zufolge nimmt derzeit eine Delegation des chinesischen Autobauers BAIC "jeden Stein in Rüsselsheim unter die Lupe". BAIC gehört ebenso zum Bieterkreis wie der Finanzinvestor Ripplewood. Angefacht werden dürfte das neue Interesse an der Marke mit dem Blitz durch vergleichsweise gute Zahlen in den ersten fünf Monaten des Jahres: Opel-Kreisen zufolge treiben Abwrackprämie und über Plan liegende Bestelleingänge für das neue Spitzenmodell Insignia den Absatz.

Die ungeliebte Tochter erweise sich auf einmal als begehrenswerte Braut, kommentierte eine an den Vorgängen beteiligte Person die neue Fürsorge von General Motors. Ausgeschlossen wird nicht mehr, dass GM versuchen könnte, Opel nach erfolgreicher Sanierung zurückzukaufen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch bestätigte nach Gesprächen mit GM-Chef Fritz Henderson und Europa-Chef Carl-Peter Forster in den USA das Interesse der Amerikaner an einer Rückkaufoption. Koch favorisiert ebenso wie Opels Betriebsratschef Klaus Franz eine Lösung mit dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna, weil sie am ehesten Werke und Arbeitsplätze erhalten helfen soll. Formal ist das Rennen um Opel allerdings noch nicht entschieden, GM hält sich offenbar alle Möglichkeiten offen.

Damit dürfte sich der Bundeswirtschaftsminister bestätigt fühlen. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte bereits unmittelbar nach Unterzeichnung des Memorandums of Understanding mit Magna deutlich gemacht, dass weitere Interessenten noch im Rennen seien und ein Abschluss für den Zulieferer keineswegs ausgemachte Sache sei. Zu Guttenberg will damit verhindern, dass Magna sich in den Verhandlungen zu sicher fühlt. GM-Chef Henderson hatte kürzlich ebenfalls erklärt, es gebe noch keine exklusive Vereinbarung mit Magna.

Die Vertreter des chinesischen Autobauers BAIC schalteten sich erst nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung mit Magna ernsthaft in den Bieterstreit ein. Sie waren bereits im Wirtschaftsministerium zu Gast. Selbst der italienische Autobauer Fiat, der im ersten Anlauf nicht zum Zug kam, hat seine Ambitionen offenbar noch nicht aufgegeben. Magna sei in den Verhandlungen in einer "führenden Position", rechtlich aber nicht gebunden, sagte ein Sprecher von GM. GM gehe davon aus, bis Mitte Juli eine Vereinbarung mit Magna abzuschließen.

"Die schauen jetzt alle zu, ob die Verhandlungen mit Magna doch noch scheitern und versuchen es dann wieder", hieß es am Dienstag im Wirtschaftsministerium. Branchenkreise berichten, GM selbst habe die Bieter wieder ins Spiel gebracht.

Entschieden werden soll am Ende nicht nach politischen Gesichtspunkten. Die Verhandlungen führt GM, der Treuhänderbeirat soll sie überwachen. "Wir sind rein kaufmännischen Kriterien verpflichtet", unterstrich Irwin. Opel liegt derzeit zu 65 Prozent im Besitz der Treuhand-Gesellschaft, um das Unternehmen aus der Insolvenzmasse des GM-Konzerns herauszuhalten, der unter dem US-Insolvenzrecht Chapter 11 steht. GM bleibt mit 35 Prozent an Opel beteiligt. Magna möchte mit der russischen Sberbank 55 Prozent von der Treuhand übernehmen, zehn Prozent sollen an Händler und Mitarbeiter gehen.

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