GM und Ford mit Makel „Schrottanleihen“
US-Ikonen GM und Ford sind tief gesunken

Im Abstand von nur wenigen Minuten erreichte General Motors und Ford die Hiobsbotschaft: Die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P) stufte am Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit der beiden größten US-Autobauer auf den Status von „Schrottanleihen“ herab. Der GM-Chef will nun schnell mit dem Erzrivalen Toyota über dessen Hilfsangebot reden.

HB DETROIT. Mit dem Makel eines „Junkbonds“ müssen die beiden US-Unternehmen künftig deutlich höhere Zinslasten schultern und sind bei der Aufnahme neuer Kredite eingeschränkt. Niemals zuvor sind in den USA Unternehmen dieser Größenordnung auf Schrott-Status abgewertet worden.

Die Aktienkurse der Autobauer sackten am Freitag als Reaktion auf das Rating ab. Auf dem europäischen Markt erholten sich die meisten Titel im Tagesverlauf allerdings wieder. Analysten bezeichneten die Nachricht als stärker belastend für die Stimmung als fürs Fundamentale. „Jedem ist klar, dass es sich um Einzelprobleme bei GM und Ford handelt“, sagte ein Händler. „Die Kreditprofile europäischer Autokonzerne sehe ich durch die Herabstufung der Ratings von GM und Ford durch eine der drei Ratingagenturen nicht betroffen“, sagte auch Wolfgang Wiehe von der Ratingagentur Fitch. Zudem sorgten die günstigen Neuzulassungszahlen aus Frankreich und der April-Absatz in Deutschland für Entlastung.

Unverblümt analysierten die Finanzexperten von S&P, dass sie derzeit große Zweifel haben, ob die Topmanager der beiden Detroiter Autoriesen den Problemmix aus milliardenschweren Pensionskosten, Überkapazitäten, sinkenden Marktanteilen und der immer stärker auftrumpfenden Konkurrenz aus Japan auf dem Heimatmarkt in den Griff bekommen können. Seit 2001 hat S&P das Rating auf GM-Anleihen drei Mal abgestuft.

GM und Ford nannten die S&P-Entscheidung enttäuschend. Gleichzeitig versicherten die Konzerne, es drohe keine Insolvenzgefahr. So betonte GM, im Kerngeschäft und bei der Finanzsparte GMAC seien ausreichend Barmittel vorhanden. Früheren Angaben zufolge verfügen beide Bereiche über jeweils mehr als 20 Mrd. Dollar. Auch Ford ärgerte sich über die Abstufung. Man habe eine „beträchtliche Liquidität“, neue Modelle seien eingeführt worden und die Kosten gesenkt, sagte Finanzvorstand Don Leclair.

S&P glaubt ebenfalls nicht, dass die Autobauer akut vor der Pleite stehen, dennoch müssten sie hart gegensteuern, um ihre Kreditwürdigkeit wieder zu verbessern, hieß es. So könne Ford seinen Autoverleiher Hertz versilbern und GM einen Teil seiner „Cash-Kuh“ GMAC verkaufen, analysierte S&P. Auch Dividendenkürzungen seien jetzt bei GM und Ford denkbar, sagte ein Auto-Analyst. GM hat ausstehende festverzinsliche Papiere im Volumen von 300 Mrd. Dollar, bei Ford sind es 160 Mrd. Dollar. Das könnte gigantische Umwälzungen bedeuten, wenn sich nun viele Anleger von den Papiere trennen wollen sollten.

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