GM und Renault-Nissan
Showdown der Alphatiere in Detroit

Am Freitag beginnen die Verhandlungen zwischen GM und Renault-Nissan über eine globale Allianz. GM-Boss Rick Wagoner, der von den Allianzplänen zunächst überhaupt nicht begeistert war, setzte bereits erste Spitzen gegen den französisch-japanischen Konzernverbund.

FRANKFURT. GM-Boss Rick Wagoner hat den Boden für das Spitzentreffen mit Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn am Freitag bereitet. Dort wollen die Automanager über die geplante Allianz der beiden Hersteller beraten. Im Interview mit einem US-TV-Sender versuchte Wagoner Zweifel zu zerstreuen, er sei prinzipiell gegen eine engere Partnerschaft mit Renaul-Nissan. Es gebe aber noch zu wenig Details, um das ganze Projekt korrekt einzuschätzen. Er freue sich jedoch auf das Gespräch mit Ghosn, sagte Wagoner.

Es wird ein denkwürdiges Bild abgeben, wenn sich die Wege von Wagoner und Ghosn in Detroit kreuzen. Der 1,90-Meter Hüne und frühere Baseballspieler Wagoner überragt den kleinwüchsigen Ghosn um mehrere Köpfe. Doch von den Äußerlichkeiten sollte sich niemand täuschen lassen. Der beinharte Sanierer Ghosn besetzt den starken Part in diesem ungleichen Duett. Wagoner, der den US-Autokonzern mit einem eigenen Plan zurück in die Gewinn-Zone führen will, ist dagegen ein Getriebener der von GM-Großaktionär Kirk Kerkorian mit Ghosn ausgeheckten Allianzpläne. Das Spitzentreffen in Detroit wird damit auch zum ersten Showdown der Alphatiere.

Wagoner, der von den Allianzplänen zunächst überhaupt nicht begeistert war, setzte bereits erste Spitzen gegen den französisch-japanischen Konzernverbund. Einen Tag bevor das GM-Board grünes Licht für die Verhandlungen gab, ließ er Ghosn über die US-Presse wissen, Renault-Nissan sei nur ein zweitklassiger Autobauer, der GM nicht helfen könne. Gestern versicherte der GM-Boss zwar abermals brav, er werde die Gespräche „in offenem Geiste“ führen, doch nicht nur Kerkorian misstraut der Unvoreingenommenheit des Topmanagers gegenüber einer globalen Allianz. Wagoner kann sich leicht ausrechnen, dass Ghosn in einem möglichen Verbund zwischen GM und Renault-Nissan der dominierende Mann wäre, der ihn auch an der GM-Spitze ablösen könnte. Es gibt für ihn deshalb viele Gründe, den Rivalen auf Distanz zu halten.

Auf die Frage, ob er sich auch eine Arbeit unter einem Chef Ghosn vorstellen könne, antwortete Wagoner am Mittwoch: „Darum werden wir uns kümmern, wenn es soweit ist. Wir müssen erst sehen, was für beide Unternehmen machbar ist, und dann werden wir sehen, wie wir sie führen.“ Kerkorian will Wagoner bei den Gesprächen genau auf die Finger sehen und verlangte bereits, unabhängige Manager und Berater von Außen einzubeziehen. Dass das GM-Board dem Ansinnen vorerst nicht folgte, ist der erste Rückschlag für Kerkorian, der mit seinem überraschenden Vorstoß für eine Allianz mit Renault das GM-Management innerhalb gut einer Woche in die Gespräche drängte. Der GM-Boss will sich von Kerkorian jedoch nicht in eine hastige Allianz treiben lassen, die den eigenen Sanierungsplan genau in dem Moment in Frage stellt, an dem dieser erste Achtungserfolge zeigt.

Wagoner wird deshalb bei den Gesprächen auf der Hut sein und jeden Vorschlag sorgfältig prüfen. Denn noch befindet sich die mögliche Allianz in einem frühen Stadium. Details seien bisher nicht ausgearbeitet worden, hieß es. Experten vermuten deshalb, dass die Konzernlenker auf dem Spitzentreffen in Detroit gemeinsame Arbeitsgruppen für wichtige Felder wie Einkauf, Produktion sowie Technologie und Entwicklung einrichten werden, um Potenziale abzuklopfen. Insider gehen davon aus, dass es aber Wochen brauchen wird, bis klar ist, ob und auf welchen Feldern eine Allianz sinnvoll wäre.

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