Golf-GTI-Treffen
Volkswagen, tiefergelegt

Wie die VW-Mächtigen Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn beim GTI-Treffen am Wörthersee mit DJ Ötzi den Vatertag begehen - und über Porsche schweigen

REIFNITZ. 210 PS, flammrot und so tiefergelegt, wie es so gerade noch geht: Das ist sie, die Sonderedition "Wörthersee 2009" des Golf GTI, die da auf der Bühne steht. Als die Hülle gefallen ist, beklatscht VW-Vorstandschef Martin Winterkorn den Kultflitzer eifrig, und sein Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch tut es ihm nach.

Vatertag ist Festtag für die Mächtigen bei Volkswagen. Die Sonne scheint, jeder hier in Reifnitz am Wörthersee ist VW-Fan, Stuttgart-Zuffenhausen ist weit weg, gleich kommt DJ Ötzi, und wer muss schon von einem Porsche träumen, wenn er auch einen GTI haben kann? - Genau.

An einem solchen Tag gönnen sich sogar die sonst doch eher zurückhaltenden Spitzenmanager Piëch und Winterkorn ein Bad in der Menge. Ein bisschen drängeln, ein bisschen schubsen. Bis auf wenige Zentimeter können GTI-Fans an die Konzernbosse heran. Winterkorn genießt es sichtlich. Aufsichtsratschef Piëch kräuselt ein wenig skeptisch die Lippen, Popstar mag er nicht sein. Der Sonnenhut aus Stroh spendet Schatten und ein paar Quadratzentimeter Privatsphäre.

Aber Tradition verpflichtet. Alljährlich bittet VW zum GTI-Treffen über das Himmelfahrtswochenende nach Kärnten. Für den Vorstand ist die Show ein Muss, er ist fast komplett aus Wolfsburg angereist. Nirgendwo sonst kommen schließlich so viele VW-Fans zusammen - und das schon seit bald 30 Jahren. An die 150000 Autojünger pilgern auch dieses Jahr wieder ans Südufer des Wörthersees, um die stärksten und lautesten Modelle aus dem VW-Programm zu bestaunen und feucht-fröhlich über Spoiler, Felgen und Ventile zu fachsimpeln.

Auch über Porsche? "Das ist der schönste Vatertag, den es überhaupt geben kann", sagt Ferdinand Piëch bedächtig. Nachfrage: Wenn Audi und auch erstmals Seat am Wörthersee vertreten sein dürfen, könnte denn vielleicht auch Porsche beim nächsten Mal dabei sein? "Da müssen Sie jemand anderen fragen", sagt Piëch nun doch ein wenig unwirsch. Porsche? "Kein Thema hier", sagt der VW-Aufsichtsratschef.

Natürlich wüsste man gerne genauer, was es denn nun auf sich hat mit der jüngsten Einigung der Familien Piëch und Porsche. Man stünde gemeinsam hinter einem möglichen Einstieg eines Investors bei Porsche, um den Sportwagenbauer, der den Familien gehört, aus seiner Schuldenfalle zu befreien, hieß es am Dienstag. Und gleich darauf ließ Ferdinand Piëch wissen, er sei nach wie vor dafür, Porsche einfach zur zehnten Marke von VW zu machen. Die Aufsichtsratssitzung bei Porsche in Stuttgart Anfang der Woche hatte der Autopatriarch kess geschwänzt. Aber: "Kein Thema hier."

Wie gut für Ferdinand Piëch, dass nun DJ Ötzi die Bühne betritt und den Besuchern bei 32 Grad im Schatten so richtig einheizt. Reden geht nicht mehr, höchstens gröhlen. Laut wird es auf dem VW-Stand, Millionen hat der Konzern im Lauf der Jahre am Wörthersee investiert. Sogar ein Denkmal hat VW aufstellen lassen: Ein in Stein gemeißelter GTI in Originalgröße ruht da. "Den GTI-Freunden - Volkswagen AG 1987", lautet die Inschrift. Der Felsklotz bleibt das gesamte Jahr über auf dem Dorfplatz stehen. Er erinnert die 1500 Einwohner stets daran, dass ihr Reifnitz der wichtigste Wallfahrtsort aller VW-Anhänger ist. Was nicht alle hier in Kärnten so toll finden: Etliche Häuser sind während der tollen GTI-Tage am Wörthersee verbarrikadiert.

Seite 1:

Volkswagen, tiefergelegt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%