Gore-Tex wagt neue Offensive
Fest im Griff

Mit Gore-Tex ist das US-Familienunternehmen Gore zum Marktführer bei Freizeitbekleidung geworden. Die wasserdichte Membran erfreut sich vor allem bei Wanderern und Wintersportlern größter Beliebtheit. Doch weil das dem Familienunternehmen aus der Nähe von New York nicht mehr reicht, wagt man nun den Vorstoß in die Modebranche.
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Feldkirchen-Westerham im bayrischen Alpenvorland. Aus dem Flachbau an der Aiblinger Straße der kleinen Gemeinde dringt ein feucht schmatzendes Geräusch wie aus einer großen Saftpresse ins sonst lauschige Tal. Der Lärm kommt aus der Fabrik des amerikanischen Textilkonzerns Gore. Im Geh-Simulator des Schuhlabors stampfen Prototypen von Puma, Clarks, Camel und Ecco, bis zur Knöchelhöhe im Wasser stehend, vor sich hin.

Thorger Hübner steckt eine Hand in den Schaft eines klatschnassen Schuhs. "Ist dicht", sagt der Gore-Manager. "Mal sehen wie lange noch." Zwei Tage laufen die Schuhe in der Maschine, einen Tag müssen sie noch durchhalten. Das entspricht dann rund 300 000 Schritten im flachen Wasser. Jede undichte Stelle meldet der Simulator mit einem akustischen Signal und stoppt die Maschine sofort.

Erst wenn die neuen Markentreter, die mit der wasserdichten Membran Gore-Tex beschichtet sind, auch nach drei Tagen im simulierten Dauerregen noch trocken sind, gibt sie Gore-Manager Hübner frei. Sonst gehen sie zurück an die Hersteller. "Zur Überarbeitung", sagt Hübner. "Schließlich geben wir mit unserem Namen Gore-Tex Garantie für deren Produkte."

So einen selbstbewussten Umgang mit großen Markenherstellern kann sich außer Gore kaum ein Lieferant leisten. Ähnlich wie Tempo für Papiertaschentücher steht, gilt Gore-Tex vielen Verbrauchern als Synonym für regensichere Stoffe, die zugleich den Wasserdampf beim Schwitzen durchlassen. "Die Kunden im Laden fragen erst nach Gore-Tex, dann nach dem Hersteller", sagt Peter Schöffel, Chef des gleichnamigen Sportartikelherstellers.

Dank dieser starken Position kann Gore mit bis zu zweistelligen Wachstumsraten - zuletzt mit einem Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Dollar - kräftig vom Boom der Outdoorbranche profitieren.

Doch das reicht dem Familienunternehmen aus der Nähe von New York nicht mehr - und es setzt zu einer neuen Offensive an. Zum einen wollen die Amerikaner aus der Freizeitnische ausbrechen und verstärkt Mode- und Lifestyle-Marken mit ihren speziellen Stoffen ausstatten. Gleichzeitig sortieren sie ihre inzwischen unübersichtlich gewordene Vielfalt unterschiedlichster Membrane und Textilien - und versuchen damit ein Problem zu lösen, das sich erst dank der inzwischen legendären Innovationskraft des Unternehmens ergeben hat: eine Tendenz zur Unübersichtlichkeit.

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