Grafitspezialist
SGL startet mit roten Zahlen ins Jahr

Das Geschäft mit Graphitelektroden schadet der ohnehin angeschlagenen SGL noch mehr: Der Konzern verzeichnet für das erste Quartal einen deutlichen Verlust. Gute Aussichten werden auch weiterhin nicht erwartet.
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DüsseldorfDer Preisverfall im Kerngeschäft mit Graphitelektroden für die Stahlindustrie setzt der angeschlagenen SGL Group schwer zu. Nach einem schwachen ersten Quartal rechnet der Wiesbadener Konzern im Gesamtjahr nicht nur netto sondern auch beim bereinigten operativen Ergebnis mit einem Verlust. Ein Konzernsprecher kündigte am Dienstag an, das Betriebsergebnis (Ebit) vor Restrukturierungskosten werde 2014 „negativ ausfallen.“ Zunächst hatte SGL lediglich erklärt, das Betriebsergebnis werde „deutlich“ unter dem des Vorjahreswert von 19,5 Millionen Euro liegen. Von Januar bis März war ein bereinigter Betriebsverlust von 2,3 Millionen Euro angefallen, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 13,6 Millionen Euro zu Buche stand.

Die im Nebenwertindex MDax notierte SGL-Aktie stieg trotz des Quartalsverlusts um 0,8 Prozent auf 23 Euro. Allerdings hatten Analysten für das erste Quartal auch mit einem mehr als doppelt so hohen bereinigten Betriebsverlust von gut fünf Millionen Euro gerechnet. Und auch für das Gesamtjahr hatten sie SGL bereits keinen bereinigten Betriebsgewinn mehr zugetraut, sondern ein Minus von 11,6 Millionen Euro prognostiziert.

Um das Ruder herumzureißen, setzt Vorstandschef Jürgen Köhler auf Kosteneinsparungen, die sich bis Ende 2015 auf 150 Millionen Euro summieren sollen. „Wir haben die Strukturen verschlankt sowie viele Prozesse optimiert“, erklärte er. Damit sei es im ersten Quartal gelungen, weitere 14 Millionen Euro einzusparen. Im Gesamtjahr sollen es wie im Vorjahr rund 69 Millionen Euro sein. Allerdings rechnet Köhler auch mit weiteren Sanierungskosten in Höhe eines niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrages.

In den ersten drei Monaten sanken die Erlöse um 15 Prozent auf 336,3 Millionen Euro. Netto stieg der Fehlbetrag auf knapp 23 (Vorjahr: minus 9,4) Millionen Euro. Im vergangenen Jahr, das Köhler als „das katastrophalste Jahr in der SGL-Geschichte“ bezeichnet hatte, hatte sich ein Nettoverlust von 396,4 Millionen Euro aufgetürmt.

SGL war 2013 wegen des harten Preiskampfs beim wichtigsten Produkt Graphitelektroden und einer schwache Nachfrage nach Spezialgraphiten massiv unter die Räder geraten. Die Aktionäre mussten auf eine Dividende verzichten. Das Unternehmen brachte ein Sparprogramm auf den Weg, das Werksschließungen in Kanada und Italien vorsieht sowie Stellenstreichungen. 300 Arbeitsplätze sollen wegfallen – die Hälfte davon in Deutschland. Weitere Werke stehen auf dem Prüfstand.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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