Great Wall Motors

Chinesen greifen nach Fiat Chrysler

Great Wall, der größte SUV-Hersteller Chinas, erwägt den Kauf von Fiat Chrysler. Auto-Milliardär Wei Jianjun will so Audi, BMW und Mercedes herausfordern. Doch seine internationale Expansion könnte ausgebremst werden.
Update: 21.08.2017 - 13:34 Uhr 7 Kommentare
Great Wall soll den italienisch-amerikanischen Konzern Fiat Chrysler (FCA) um ein Treffen zu einer teilweisen oder vollständigen Übernahme gebeten haben. Quelle: AFP
FCA-Marke Jeep

Great Wall soll den italienisch-amerikanischen Konzern Fiat Chrysler (FCA) um ein Treffen zu einer teilweisen oder vollständigen Übernahme gebeten haben.

(Foto: AFP)

Peking, Rom, DüsseldorfDer chinesische Autohersteller Great Wall Motors ist an einer Übernahme von Fiat Chrysler (FCA) interessiert. „Wir haben großes Interesse an Fiat Chrysler. Aber wir haben uns noch nicht entschieden, ob wir ein Kaufangebot für die gesamte Gruppe oder nur für die Marke Jeep machen werden“, sagte eine Sprecherin des chinesische Unternehmens am Montag dem Handelsblatt.

FCA ist seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Partner oder Käufer. Der siebtgrößte Autobauer der Welt hat Probleme, bei der Entwicklung neuer Technologien in der Branche mitzuhalten. Volkswagen und General Motors hatten öffentliches Werben von FCA-Chef Sergio Marchionne jedoch zurückgewiesen. Fiat-Aktien legten an der Mailänder Börse um rund fünf Prozent auf den höchsten Stand seit 19 Jahren zu.

Great Wall genießt in China einen Sonderstatus. Seit 14 Jahren rangiert die Firma auf dem Spitzenplatz der SUV-Hersteller. Der Gründer und Chairman Wei Jianjun ist ein sehr selbstbewusster Unternehmer. Das Geschäft auf dem weltgrößten Automarkt in seinem Heimatland reicht ihm nicht mehr. Auf der Automesse in Schanghai kündigte er an, seine Firma werde bis zum Jahr 2020 zum weltweit führenden SUV-Hersteller aufsteigen – und an Jeep und Jaguar Land Rover vorbeiziehen. Dazu kreierte das Unternehmen eigens die für das internationale Geschäft geschaffene Marke Wey.

Doch die Aufholjagd stockt. Die neue Marke, die eigentlich zum Sprint ansetzen sollte, kommt bisher kaum aus dem Startblock. Zur Vorlage der Halbjahreszahlen konnte Great Wall nur den Absatz von 3166 Einheiten seines Wey-SUV VV7 bekanntgeben. Dabei hatte Wey den Absatzrückgang bei den führenden Great-Wall-Modellen in China ausgleichen sollen. Das Spitzenmodell Haval H6 macht immer noch rund die Hälfte des Absatzes der Firma aus. Doch in den ersten sieben Monaten dieses Jahres gingen die Verkäufe des einstigen Spitzenmodells um 5,5 Prozent auf rund 264.000 Einheiten zurück.

Schlimmer noch: Der Gewinn der Gruppe geht zurück. Im Laufe dieser Woche sollen die abschließenden Zahlen vorgelegt werden. Der Gewinnrückgang werde 79 Prozent im Jahresvergleich ausmachen, war die Erwartung von Bloomberg befragten Analysten. Wei braucht die internationale Expansion dringender denn je.

Daher könnte Great Wall großes Interesse haben, seinen internationalen Marktanteil insbesondere mit der Übernahme der Marke Jeep aufwerten zu wollen. „Eine erfolgreiche Übernahme ist dennoch sehr unwahrscheinlich“, sagte Zhong Shi, Chefredakteur des Fachmagazins AutorR. Wei Jianjun würde schlicht das Geld fehlen, sich eine so kostspiele Übernahme leisten zu können, vermutete Zhong.

Jeep wird als international erfolgreiche Marke von Morgan Stanley auf einen Wert von etwa 20,6 Milliarden Euro geschätzt. Mit einem Kauf von Jeep würde sich Great Wall daher übernehmen, warte Zhong.

Beim Mutterkonzern FCA sieht das anders aus: Trotz der jüngsten Kurszuwächse ist der weltweit siebtgrößte Autohersteller an der Börse ein Leichtgewicht – und kommt auf einen Marktwert von gerade einmal 16,8 Milliarden Euro. „FCA hat heute nicht die Dimension, um auf dem Automarkt, der einem großen Wandel unterworfen ist, präsent zu bleiben“, sagt Autoexperte Giuseppe Berta von der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi.

„Wer uns mit VW vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“
„Wer uns mit dem deutschen Unternehmen vergleicht, hat etwas Illegales geraucht“
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Sergio Marchionne, Chef des italienisch-amerikanischen Autokonzerns Fiat Chrysler (FCA), hat Vorwürfe der Abgasmanipulation und einen Vergleich mit Volkswagen scharf zurückgewiesen. „Wir haben keinerlei Betrug begangen. Unser Fall ist in keiner Weise mit dem von Volkswagen vergleichbar“, sagte Marchionne in einem Interview. In den USA steht der Branchenriese im Verdacht, bei rund 100 000 Dieselwagen die Emissionswerte von Stickoxiden gefälscht zu haben.

„Ich hoffe, Sie kaufen es nicht, denn jedes Mal, wenn ich eines verkaufe, kostet es mich 14 000 Dollar“
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So Marchionne 2014 bei einer Konferenz in Washington über das eigene Elektroauto 500e, das in den USA für 32.650 Euro verkauft wurde - und damit offenbar immer Verluste einfuhr.

„Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen“
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Sergio Marchionne 2012 über die Rabatte der Konkurrenz.

„Piëch, lass es!“
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Sergio Marchionne attackierte 2009 den damaligen VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch, nachdem Gerüchte laut geworden waren, dass Volkswagen an Alfa Romeo interessiert sein könnte.

„Wir sind gute Freunde“
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Sergio Marchionne 2012 über sein Verhältnis zum damaligen VW-Chef Martin Winterkorn.

„Ich rede nicht mit Leuten, die Taschen fertigen. Ich baue Autos. Was Della Valle in Forschung und Entwicklung investiert, das würde bei uns nur für den Kotflügel reichen.“
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Marchionne 2012 über den Lederwaren-Unternehmer Diego Della Valle (Tod's), nachdem dieser seine Investitionspolitik kritisiert hatte.

„Europa kann dieses Produktionsvolumen nicht vertragen. Auch wir haben eine Fabrik zu viel.“
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Marchionne 2009 über Überkapazitäten in der europäischen Automobilbranche.

Lange flirtete FCA-Chef Marchionne darum öffentlich mit US-Konkurrent General Motors, doch GM-Chefin Mary Barra erteilte den italienischen Avancen eine Absage. Auch, Gerüchte eine Übernahme durch um Volkswagen wurden dementiert. Zu den chinesischen Übernahmegerüchten hüllt sich der sonst so redselige FCA-Chef Sergio Marchionne dagegen in Schweigen. Vor Analysten hatte er im April offen darüber nachgedacht, dass ein Spin-Off der FCA-Marke Jeep möglich sei, berichteten zuletzt italienische Medien.

„FCA ist in der Warteschleife“, so der italienische Branchenexperte Berta, „entweder kommt doch noch eine Fusion mit einem anderen Autokonzern zustande - oder es werden Konzernteile abgetrennt“. Im Markenreich der Italiener befinden sich international attraktive Marken – neben Jeep auch die US-Pickup-Marke Ram, sowie Alfa Romeo und Maserati.

Marchionne will Fünfjahresplan vorlegen
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7 Kommentare zu "Great Wall Motors: Chinesen greifen nach Fiat Chrysler"

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  • "Chinesen greifen nach Fiat Chrysler". Und was wird aus den Gesamtverbindlichkeiten von nahezu 100.000 Miliarden Euro (zum grossen Teil hochverzinste Anleihen), die FCA hat? Übernehmen diese die Chinesen auch?
    Und vom Schönreden, Herr Franco Locatelli, wird die Realität auch nicht besser. Aber nur zu...... Solche Ankündigungen können den Aktienkurs, kurzfristig, ja nur gut tun....

  • FCAU EPS1,5 PE8 Schaut gar nicht so schlecht aus aber ob das stimmt ?

  • Die Ausverkauf der deutschen Industrie hat begonnen- das Überleben von z.B. Opel ist fragwürdig, Kuka als Schlüssellieferant der Automatisierung der Autoindustrie ist bereits verkauft- die Schliessung des Opel-Werks in Bochum ist der Anfang vom Ende deutscher Arbeitsplätze- seit Jahren werden Modelle immer mehr im Ausland gebaut- der Niedergang der einst hervorragenden Automobilindustrie im Königreich England ist Beispiel genug wie man eine Zukunftsindustrie kaputtgemacht hat- Rover wurde komplett demontiert und existiert nur noch in China- Jaguar ist indisch, Mini gehört BMW, Bentley ist VW usw- in Deutschland hängt jeder sechste ! Arbeitsplatz direkt oder indirekt an der Autoindustrie, auch andere Länder haben aufgegeben Saab ist pleite, Volvo gehört auch schon den Chinesen-mit Fiat Chrysler bekommen die Chinesen die neuste Technologie frei Haus- so wie die Chinesen einen Airbus nachgebaut haben werden Sie nun auch Luxusfahrzeuge nachbauen nach westlichen Standards herstellen , jedoch zum halben Preis- das wird defintiv 10000e Arbeitsplätze in Deutschland kosten- wann wachen die verantwortlichen Politiker in Brüssel und Berlin endlich auf bevor es auch hier endlich zum totalen GAU kommt?

  • @ Herr Günther Heck - 21.08.2017, 13:12 Uhr - Da gebe ich ihnen Recht. Vielleicht nicht im nächsten Jahrzehnt, aber das sich unserer Arbeitswelt verändert ist sehr wahrscheinlich. Allerdings war es schon immer so und auch zu Beginn des Dampfzeitalters hat man das selbe behauptet und doch wieder Lösungen etc. gefunden. Also Kopf hoch und aktiv mitgestalten anstatt immer nur zu meckern.

  • Die Politik sollte uns darauf einstellen, dass im nächsten Jahrzent durch die E-Autos und der Industrie 4.0 etwa 1/3 der Arbeitsplätze wegfallen.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Dank Mr. Trump kommt Attentate in den USA fast nicht vor. Bei uns sind sie inzwischen zum Normalfall geworden. Ja, Mr. Trump liebt und schützt sein Volk.

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    1:52 Nach unbestätigten Berichten des Nachrichtensenders BFMTV soll eine Frau im Alter von 42 Jahren gestorben sein, meldet „Spiegel Online“.

    Der Verdächtige sei zwar der Polizei bekannt gewesen, aber nicht den Geheimdiensten, die in Frankreich mutmaßliche islamistische Gefährder erfassen. Weil ein Zeuge das Autokennzeichen notierte, sei ihm die Polizei auf die Spur gekommen, so BFMTV.

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