Griechenland: Fehrenbach fordert Euro-Ausschluss Athens

Griechenland
Fehrenbach fordert Euro-Ausschluss Athens

Franz Fehrenbach fordert den Ausschluss der Griechen vom Euro. Damit geht der Bosch-Chef weiter als die anderen deutschen Konzernchefs. Aber isoliert ist er mit seiner pessimistischen Haltung nicht.

DüsseldorfMarode, untragbar, eine Belastung: Die Worte, die Franz Fehrenbach für Griechenland findet, sind hart. Der Bosch-Chef fordert das Land zum Austritt aus der Eurozone auf. Sogar aus der Europäischen Union (EU) sollten sich die Griechen freiwillig zurückziehen. Notfalls müsse die EU ihre Gesetze ändern und Griechenland aus der Gemeinschaft ausschließen, sagte Fehrenbach im Interview mit dem „Manager Magazin“, das am Freitag erscheinen wird.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH ist nicht der erste Vertreter eines großen deutschen Industriekonzerns, der sich in der griechischen Schuldenkrise aus der Deckung wagt. Zu Jahresbeginn hatte sich mit Wolfgang Reitzle der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns geäußert. Für Griechenland sehe er keine Chancen mehr, in der Währungsunion zu bleiben. Die Kapitalmärkte hätten das Thema „längst abgehakt“, sagte der Chef des Industriegase-Spezialisten Linde. Die Schulden des Landes müssten „nicht zu 50 oder 70, sondern zu 100 Prozent abgeschrieben werden“. Reitzle brachte sogar einen Euro-Austritt Deutschlands ins Gespräch – und erntete dafür harsche Kritik aus der Politik.

Auch für Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, darf ein Austritt der Griechen aus der Euro-Zone kein Tabuthema mehr sein. „So weh das tun mag und so schmerzlich dieser Prozess ist, ich glaube, dass Griechenland besser beraten wäre, den Austritt zu erklären. Griechenland ist innerhalb des Euros nicht zu retten“, sagte Müller Ende Januar. „Ich bin der festen Überzeugung, dass Griechenland einer massiven Abwertung bedarf, die es innerhalb des Euros nicht vornehmen kann.“ Sprich: die Drachme muss her.

Franz Fehrenbach will mehr. Der Bosch-Chef ist für klare Worte bekannt. Und in entsprechender Deutlichkeit hat er sich nun geäußert. Das griechische System sei „marode und in einer Solidargemeinschaft eine untragbare Belastung“, sagte Fehrenbach. „Dieser Staat mit Phantomrentnern und reichen Nichtsteuerzahlern, ein Staat ohne funktionierende Verwaltung“ habe in der EU nichts zu suchen. Nur wenn es eine gemeinsame Steuer-, Haushalts- und Wirtschaftspolitik gebe, funktioniere auf Dauer eine gemeinsame Währung. Deshalb komme man um ein Europa der zwei Geschwindigkeiten nicht herum, sagte der Chef des weltgrößten Automobilzulieferers. Wirtschaftlich schwächere Länder müssten dabei zunächst außen vor bleiben.

Forderungen wie die von Fehrenbach sind bisher die Ausnahme. Vor allem Verantwortliche kleinerer Familienunternehmen hatten sich für den Ausschluss des Schuldenstaats Griechenland aus dem Euro-Raum ausgesprochen. Die Chefs der meisten Großkonzerne halten sich beim heiklen Thema Schuldenkrise hingegen auffallend zurück. Der Grund dafür: ihr hoher Exportanteil, vor allem in andere Euro-Staaten. So warnte BMW-Chef Norbert Reithofer vergangene Woche am Rande einer Veranstaltung in Bochum vor der zwangsläufigen Aufwertung einer neuen deutschen Währung, einer neuen D-Mark, im Vergleich zu anderen Währungen, falls die Euro-Zone auseinanderbrechen sollte: „Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, was dann passieren würde.“

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Redakteur Handelsblatt 10
Tino Andresen
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Handelsblatt.com / Reporter
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