Griechenland-Krise
Was tun, sprach Zeus - und sandte ein Hilfspaket

Eine Geschichte wie aus der Göttersage: Ein deutscher Maschinenbauer hört vom Unglück eines griechischen Unternehmers - und er setzt ein ganz persönliches Hoffnungszeichen. Es geht ums wirtschaftliche Überleben.
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ThessalonikiDieser Mann lässt sich nicht unterkriegen. Griechenland steht vor dem Abgrund, in seiner Firma Synco, einem mittelständischen Hersteller von Fenstern und Türen in Thessaloniki, herrscht Stillstand. Doch Grigoris Tekos, 44, kämpft. Vor allem mit Worten. Er schreibt Briefe an Abgeordnete und Behördenvertreter und wettert gegen Gesetze und Verordnungen, die er für unsinnig hält. Er schimpft in seinem Blog auf Vetternwirtschaft und Korruption. Und er gibt sehr gerne Interviews.

Weil er obendrein auch noch fließend Deutsch spricht, meldet sich das deutsche Fernsehen bei ihm. Erst die ARD und ein paar Tage später auch das ZDF. In einem Beitrag für eine Sondersendung zur Krise im Land schildert er in eindringlichen Worten, dass es seinem Unternehmen seit der Krise schlecht geht.

Seit Einführung der Kapitalverkehrskontrollen kann er nicht mehr produzieren. Tekos kauft alle Teile, die er zur Produktion braucht, in Deutschland ein und lässt sie in Thessaloniki zusammenbauen. Jetzt darf er diesen Nachschub nicht mehr bezahlen, auch wenn er es könnte. Denn kein Euro darf mehr das Land verlassen.

Tekos wird in dem Beitrag gut in Szene gesetzt, macht einen sympathischen Eindruck. Kurz nach der Ausstrahlung klingelt bei ihm das Telefon. Der Geschäftsführer des deutschen Maschinenbauers Böhme ist am Apparat und sagt: „Der Beitrag hat mich berührt. Ich möchte, dass Sie weiter existieren können.“ Er bietet an, dringend benötigte Ersatzteile für die Maschinen, mit denen Synco Fenster und Türen produziert, erst einmal kostenlos zu liefern. Das ist vielleicht noch nicht die Rettung der Firma, aber ein großes Hoffnungszeichen.

Schon sein Lebensweg von Grigoris Tekos ist ungewöhnlich genug. Geboren in Nürnberg als Sohn griechischer Eltern, macht er in Deutschland Abitur. Er ist Franke durch und durch, leidenschaftlicher Anhänger des Clubs (also des 1. FC Nürnberg). Sein Lieblingsessen sind Nürnberger Bratwürste mit Sauerkraut. Was hätte also näher gelegen, als in Deutschland zu studieren und Karriere zu machen?

Doch es kommt anders. Seine Eltern sagen: „Du musst doch zurückgehen in die Heimat.“ Für Tekos eine etwas kuriose Argumentation, denn Heimat ist für ihn ja Nürnberg. Doch er lässt sich darauf ein, geht mit gerade einmal 18 Jahren allein nach Thessaloniki.

Und statt unter der Einsamkeit zu leiden, fühlt er sich wie befreit: „Meine Eltern haben mir immer harte D-Mark geschickt, und ich war unbeaufsichtigt. Das war für mich eine wunderbare Zeit.“ Tekos studiert, arbeitet als Angestellter in einem Zeitungsverlag und macht sich schließlich mit einer eigenen Werbefirma selbstständig.

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„Sonst wandern alle aus und dann gibt es hier nichts mehr“

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