Griechenland
Siemens-Affäre lässt griechische Politiker zittern

Michalis Christoforakos soll systematisch Parteien bestochen haben. Nun zittern viele Abgeordnete vor dem früheren Chef von Siemens Hellas: Wenn Christoforakos auspackt, könnte so manche Politikerkarriere ein jähes Ende finden. Anwalt Stefan Kursawe fürchtet deshalb gar um das Leben seines Mandanten.

ATHEN. Was darf es sein? Eine neue Waschmaschine vielleicht, ein Computer, oder eine Millionenspende für den Wahlkampf? Viele Jahre lang war Michalis Christoforakos bei griechischen Politikern als großzügiger Gönner geschätzt. Der frühere Chef von Siemens Hellas soll sich stets spendabel gezeugt haben. Aber jetzt zittern viele griechische Abgeordnete vor ihm: Wenn Christoforakos auspackt, könnte so manche Politikerkarriere ein jähes Ende finden.

Diese Woche will der griechische Ermittlungsrichter Nikos Zagorianos nach München reisen. Dort möchte er sich um die Auslieferung des ehemaligen Siemens-Statthalters in Griechenland bemühen. Zagorianos ermittelt gegen Christoforakos wegen Geldwäsche und Bestechung.

Am 15. Mai hatte sich Christoforakos mit dem Aegean Airlines-Flug 806 von Athen nach München abgesetzt - wenige Tage, bevor er beim Ermittlungsrichter zur Vernehmung antreten sollte. Zagorianos erließ einen internationalen Haftbefehl. Am vergangenen Donnerstag nahm ein schwer bewaffnetes Sondereinsatzkommando der bayerischen Polizei den Flüchtigen in einer Villa bei Rosenheim fest. Seither sitzt Christoforakos in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Auslieferungshaft.

Er gilt als Schlüsselfigur in der griechischen Siemens-Affäre. Der deutsche Konzern soll über Jahrzehnte hinweg in dem Land Funktionäre und Amtsträger bestochen haben. Dabei ging es darum, lukrative Aufträge wie die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes oder das Sicherheitssystem für die Olympischen Spiele 2004 an Land zu ziehen. Von rund 100 Millionen Euro Schmiergeldern seit Beginn der 1990er-Jahre berichtet etwa die Athener Zeitung "Kathimerini".

Ein Teil davon scheint den Berichten zufolge direkt an griechische Politiker und Parteien geflossen zu sein. Zu einem besonders delikaten Fall soll sich am morgigen Mittwoch der frühere sozialistische Parteifunktionäre Theodoros Tsoukatos vor Ermittlungsrichter Zagorianos äußern: Tsoukatos, ein enger Vertrauter des früheren sozialistischen Premiers Kostas Simitis, hat eingeräumt, dass er 1999 eine Mio. Mark von Christoforakos angenommen habe - als "Parteispende". Tsoukatos behauptet, der frühere Siemens-Chef habe das Geld über eine Offshore-Firma auf das Konto eines Freundes überwiesen. Von diesem habe er es in Teilbeträgen abgehoben und in die Parteikasse eingezahlt habe.

Man habe die Spende verschleiert, weil solche Zuwendungen nach griechischem Recht verboten sind. Jedes Kind weiß zwar, dass griechische Politiker illegale Spenden annehmen. Der Fall Siemens geht allerdings in eine ganz neue Dimension: Christoforakos habe über Jahre hinweg zwei Prozent des Jahresumsatzes von Siemens Hellas für Zuwendungen an die beiden großen Parteien abgezweigt, sagten deutsche Siemens-Manager in den staatsanwaltschaftlichen Vernehmungen und bei den internen Korruptionsermittlungen der Kanzlei Debevoise & Plimpton aus.

Seite 1:

Siemens-Affäre lässt griechische Politiker zittern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%