Größter Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland
Weitere Anklagen im FlowTex-Skandal

Im milliardenschweren FlowTex-Betrugsskandal hat die Mannheimer Staatsanwaltschaft zwei weitere Anklagen erhoben. Einem FlowTex-Prokuristen und einem nicht zum Unternehmen gehörenden Diplom-Betriebswirt werde Kapitalanlagebetrug sowie Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug vorgeworfen, teilte Oberstaatsanwalt Hubert Jobski am Dienstag in Mannheim mit.

HB/dpa MANNHEIM. Das Ettlinger Unternehmen hatte 3000 nicht vorhandene Horizontal- Bohrgeräte an Leasingfirmen verkauft. Die Firma FlowTex Technologie selbst trat als Leasingnehmer auf, der die nicht existenten Bohrgeräte angeblich sofort übernahm. Der strafrechtlich relevante Schaden beläuft sich auf mehr als zwei Mrd. €.

Die Hauptgesellschafter von FlowTex wollten nach Angaben der Staatsanwaltschaft kurz vor ihrer Verhaftung eine Unternehmensanleihe über 300 Mill. € am öffentlichen Kapitalmarkt platzieren. Mit diesem frischen Geld hätten sie sich für einige Zeit Luft verschaffen wollen, um die monatlichen Ratenzahlungen von rund 30 Mill. € aus den Leasinggeschäften bezahlen zu können. Der Diplom-Betriebswirt soll sich den Angaben zufolge dafür an allen internationalen Finanzplätzen als Finanzchef des Unternehmens ausgegeben und öffentlich unrichtige Finanzkennzahlen von FlowTex präsentiert haben.

Der Betrug gilt als größter Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Firmenchef Manfred Schmider war im Prozess um den Betrugsskandal zu elfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Landesregierung hatte vor kurzem eine Haftung für die Milliardenschäden in dem Betrugsskandal abgelehnt. Ihre Anwälte bezeichneten die beim Landgericht Karlsruhe erhobene Schadenersatzklage von Banken, Leasinggesellschaften und anderen FlowTex-Geschädigten in ihrer Klageerwiderung von Ende Juli als unbegründet.

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