Größter Rohstoffhändler
Preisdruck reißt Glencore aus dem Höhenflug

Der Grundgüter-Händler Glencore bekommt die Konjunkturflaute zu spüren. Die geringere Nachfrage nach Industriemetallen belastet den verschwiegenen Giganten. Auch der Kauf des Minenkonzerns Xstrata steht auf der Kippe.
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Zug/DüsseldorfDer weltgrößte Rohstoffhändler Glencore hat vor der geplanten 30-Milliarden-Dollar-Übernahme des Bergbauriesen Xstrata einen Gewinneinbruch erlitten. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis sei im ersten Halbjahr um 26 Prozent auf 1,81 Milliarden Dollar zurückgegangen, teilt Glencore mit.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 3,2 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr entsprach einem Rückgang gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres um 17 Prozent. Allerdings bedeute dies zugleich im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2011 eine Steigerung um 22 Prozent. Trotz des Rückgangs hielt sich Glencore aber besser als von Analysten erwartet.

Der Handelskonzern mit Hauptsitz bei Zug in der Schweiz gesellt sich damit zu Bergbaukonzernen wie Rio Tinto, Vale oder Xstrata. Diese erlitten in den ersten Monaten des Jahres ebenfalls zum Teil deutliche Gewinnrückgänge. Grund sind fallende Rohstoffpreise und zugleich steigende Kosten.

So fiel der Kurs von Zinn seit Jahresbeginn um 32 Prozent. In Indonesien schließen reihenweise Zinn-Produzent ihre Werke. Das Land hat seine Produktionskapazität um 70 Prozent reduziert. Auf Indonesien entfallen rund 40 Prozent der weltweiten Zinn-Produktion. Auch die Preise für Kupfer, Eisenerz oder Nickel gaben deutlich nach.

Während sich die Minenbetreiber für die zweite Jahreshälfte wieder optimistisch zeigen, malt Glencore-Chef Ivan Glasenberg ein eher verhaltenes Bild. „In die Zukunft blickend erwarten wir keine deutliche Verbesserung, weder bei der Marktlage noch beim konjunkturellen Umfeld.“

Auch hinter der vollständigen Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata stehen Fragezeichen. Aber Widerstände gegen die geplante Fusion mit Xstrata könnten Glencore nicht von dem Vorhaben abbringen, sagte Konzernchef Glasenberg. „Dies ist keine feindliche Übernahme, sondern eine, die vom Konzernchef von Xstrata und seinen unabhängigen Direktoren voll unterstützt wird.“

Die von beiden Unternehmen angestrebte Mega-Fusion war auf Eis gelegt worden, nachdem der Golfstaat Katar als Xstrata-Großaktionär im Juli einen deutlich höheren Preis für die Übernahme forderte. Die staatseigene Qatar Holding sowie einige anderen Aktionäre bezeichneten das Angebot von 2,8 Glencore-Aktien für jeden Xstrata-Anteilsschein als zu gering und verlangten dafür jeweils 3,25 Aktien.

Sollte Katar die Fusion von Glencore und Xstrata am Ende doch kippen, will Glasenberg „weitermachen“. „Ich verstehe nicht ganz die Gründe und die Logik hinter der Aktion von Katar, denn Katar war zuvor kein großer Anteilseigner von Xstrata“, sagt Glasenberg. Die Staatsholding von Katar hatte ihren Anteil an Xstrata zuletzt auf rund zwölf Prozent aufgestockt. Im Februar hatte der Anteil noch rund drei Prozent betragen.

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