Größter Schokoladehersteller der Welt integriert US-Bonbon-Produzenten und Stollwerck AG
Barry Callebauts Expansion macht Analysten skeptisch

Der weltgrößte Industrieschokoladeproduzent, die Schweizer Barry Callebaut AG, hat sich nach der Übernahme des US-Bonbonherstellers Brach’s für die nächsten Jahre ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt. Barry Callebaut hatte bereits durch den Erwerb der Kölner Stollwerck AG (Marken: Gubor, Sarotti, Alpia) im vergangenen Jahr das Geschäft mit Verbraucherprodukten forciert.

KÖLN. Ein jährliches Umsatzwachstum von „sieben bis acht Prozent“ peilt Konzernchef Patrick de Maeseneire in diesem Bereich an. Dies erklärte er auf einer Analystenkonferenz des Unternehmens in Köln. Nach der Konsolidierung von Stollwerck und Drach’s kommt der Schweizer Süßwarenkonzern jetzt auf einen jährlichen Umsatz von rund 4,1 Mrd. Sfr (2,7 Mrd. Euro). Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2004/2005 soll das organische Wachstum jährlich bei 4 % liegen. Der Nettogewinn soll gegenüber 2001/2002 um 48 % zulegen. Die genauen Zahlen für das am 31. August abgeschlossene Geschäftsjahr 2002/2003 sollen Mitte November veröffentlicht werden.

Die Schweizer, die weltweit 9 000 Mitarbeiter beschäftigen, setzen die mit der Stollwerk-Übernahme eingeleitete Vorwärtsintegration fort und produzieren Waren für Industrie und Verbraucher, ausgehend von der Kakaobohne bis hin zur Tafel Schokolade im Verkaufsregal.

Von der Akquisition des amerikanischen Zuckerwarenproduzenten Brach’s, der auf einen Jahresumsatz von 340 Mill. $ kommt, zeigten sich Analysten wenig begeistert. Im US-Süßwarengeschäft, das von Konzernen wie Hershey oder Masterfoods dominiert wird, ist Drach’s nur ein mittelgroßer Wettbewerber.

Da das Business-Modell von Barry Callebaut bisher auf Schokolade basiert, löste der Kauf des US-Bonbonherstellers in Analystenkreisen Unverständnis aus. Und auch von der Integration des Stollwerck-Geschäftes erwarten Marktbeobachter kaum Impulse. „Stollwerck ist ein regionaler Hersteller, der über keine international starke Marke verfügt“, sagt Ronald Wildmann von der Bank Leu. Der Zusammenschluss ergibt für ihn „wenig Sinn“.

Ungeachtet einer Anfechtungsklage gegen das auf der letzten Stollwerck-Hauptversammlung eingeleitete „Squeeze-out-Verfahren“, das die letzten verbliebenen Privataktionäre auf legale Weise aus dem Unternehmen drängen soll, kommt die Konsolidierung von Stollwerck unter dem Dach der Schweizer voran. Der neue Stollwerck-Chef Richard Crux will die Integration im Jahr 2004 zum Abschluss bringen.

Stollwerck wird von Barry Callebaut jetzt gemeinsam mit den Tochterunternehmen Van Houten und Gubor in der neu geschaffenen Sektion „Consumer Products Europe“ geführt, mit deren Leitung Richard Crux vor kurzem beauftragt wurde. Für das Geschäftsjahr 2002/2003 wird für die Sparte ein Gesamtumsatz von 920 Mill. Sfr. (601 Mill. Euro) erwartet. Separate Stollwerck- Daten veröffentlich das Schweizer Unternehmen, das sich zu fast 70 % im Besitz einer Stiftung der Familie Jacobs (ehemals Jacobs Suchard) befindet, nicht mehr.

Richard Crux will die europäische Konsumgütersparte künftig sowohl auf das Marken- als auch das Handelsmarkengeschäft gründen, die jeweils die Hälfte des Jahresumsatzes ausmachen sollen, sagte er dem Handelsblatt.

Das Markengeschäft soll auf die bisherigen Stollwerck-Marken Gubor (Premium), Sarotti (gehobenes Preissegment), Alpia (Familienprodukte) und Jacques (Spezialitäten) fokussiert werden.

Im Handelsmarkengeschäft will der ehemalige Spitzenmanager der Deutschen Post AG, der seine Karriere bei Jacobs Suchard in Bremen begann, neue Wege beschreiten. Für die großen Handelskonzerne und Discounter sollen neuartige Eigenmarken mit hohem Innovationspotenzial geschaffen werden.

Quelle: Handelsblatt

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