Größter VW-Aktionär Porsche
Wiedeking bekräftigt Machtanspruch bei Volkswagen

Auch mit seinem knapp 30-prozentigen Anteil an VW könne Porsche seine Interessen durchsetzen, sagte Wiedeking in einem am Samstag vorab verbreiteten Interview der „Welt am Sonntag“.

HB FRANKFURT. „Angesichts der relativ geringen Präsenz auf deutschen Hauptversammlungen muss man nicht unbedingt 50 Prozent besitzen.“ Porsche als inzwischen größter VW-Aktionär wolle bei Europas größtem Autohersteller gemäß seiner Beteiligungshöhe mitreden und fordere deshalb eine Abschaffung des niedersächsischen VW-Gesetzes. Dieses begrenzt den Stimmrechtsanteil eines Investors auf 20 Prozent - unabhängig davon, wie groß seine Beteiligung an dem Unternehmen ist.

„Das VW-Gesetz ist nicht mehr zeitgemäß. Es gehört abgeschafft, und dafür werden wir uns stark machen“, sagte Wiedeking. Von Dienstag an verhandelt der Europäische Gerichtshof über das Gesetz, das Kritikern zufolge den freien Kapitalverkehr in der Europäischen Union behindert. Der Porsche-Chef geht nicht nur in dieser Frage auf Konfrontationskurs mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU).

Wiedeking sagte, die Politik solle sich aus Bereichen der Wirtschaft heraushalten, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten müssten. Um Aufsichtsratsmandate in einem Autokonzern wahrzunehmen, sei ein hohes Maß an Sachkompetenz nötig, sagte Wiedeking. Das Land Niedersachsen müsse für sich entscheiden, welche Rolle es künftig im Kontrollgremium von VW wahrnehmen wolle.

Die operative Verantwortung im VW-Konzern habe der Vorstand, Porsche werde seine Vorstellungen aber über den Aufsichtsrat einbringen. Zum ersten Mal in der Geschichte habe VW einen Großaktionär, der rein wirtschaftliche Interessen habe. „Und der nicht nach der jeweiligen Couleur der Landesregierung agiert, mal Arbeitgeberseite, mal Arbeitnehmerseite“, zitiert die Zeitung den Porsche-Chef.

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller wolle für seine vier Milliarden Euro eine „ordentliche Verzinsung“, was über den stark gestiegenen VW-Aktienkurs zumindest rechnerisch in den Büchern auch bereits gelungen sei. Im Mittelpunkt stehe aber das langfristige strategische Interesse mit dem anvisierten Ausbau der Technologiekooperation.

„Wir sind bei VW ein langfristiger Investor und legen Wert auf die innere Ertragskraft. Volkswagen soll ausreichend Geld verdienen, eine ordentliche Dividende zahlen und gemeinsam mit Porsche technologische und strategische Projekte umsetzen“, bekräftige Wiedeking. Störfeuer durch Finanzinvestoren, die nach einem möglichen Fall des VW-Gesetzes möglicherweise ebenso einsteigen, befürchtet der Porsche-Chef offenbar nicht: „Keine Heuschrecke wird es als sinnvoll ansehen, an uns vorbei den Konzern zu übernehmen. VW lässt sich jetzt nicht mehr filetieren.“

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