Gros der Bekleidung stammt aus dem Ausland
Russlands Reiche setzen auf Luxus

Die russische Oberschicht hat einen ausgesuchten Geschmack. Die heimische Bekleidungsindustrie steckt in Russland noch in den Anfängen. Das ist die Chance für westeuropäische Hersteller - auch wenn die Lage im Land noch immer instabil ist.

HB DÜSSELDORF. Wenn Ricardo Meyer, Leiter International Sales der Falke-Gruppe in Schmallenberg, über russische Konsummuster spricht, dann kommt er ins Schwärmen. Die gut betuchten Russen haben ein Faible für Luxus. „Wir setzen in Russland hochwertigere Ware ab als im Westen - viel Cashmere und Seide“, zählt der Falke-Manager auf. „Wenn man sich die Straßen von Moskau anschaut, dann findet man eine der hochwertigsten Handelslandschaften der Welt. Da haben sich natürlich alle Marken niedergelassen“, fährt Meyer fort. „Jeder stellt hier seine Corporate Identity vor.“ Es sei notwendig, in Russland schnell Kontakte zu knüpfen, findet auch Hermann Fuchslocher, Unternehmensberater für die Textilbranche in Düsseldorf. „Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst.“

Der russische Modemarkt birgt für Westeuropas Bekleidungshersteller in der Tat Perspektiven. 85 % der Bekleidung stammt aus dem Ausland, berichtet Reinhard E. Döpfer, Managing Director des European Fashion and Textile Export Councils (EFTEC) in Brüssel. Eine heimische Bekleidungsindustrie wird seit 1990 praktisch von Null aufgebaut. Es gebe in Russland aber 10 Millionen Konsumenten, die reich oder wohlhabend seien, rechnet Döpfer vor, diese Klientel sei der geeignete Adressat für Prestige-Marken. 22 Millionen der insgesamt 144 Millionen Russen gehören laut Döpfer zum Mittelstand.

Noch befindet sich das Russland-Geschäft beispielsweise der Falke-Gruppe, die vor Ort mit einem Importeur zusammenarbeitet, in der Aufbauphase und Meyer räumt unumwunden ein: „Das Land ist nach wie vor ziemlich instabil.“ An einem Zukunftsmarkt wie Russland könne man jedoch nicht vorbeigehen. Bisher liegt Falke mit seinem Geschäft im Plan. Konkrete Zahlen will Meyer nicht nennen. Nur so viel: Der Umsatz bewegt sich im einstelligen Millionenbereich.

Der russische Einzelhandelsmarkt wird im Wesentlichen von mittelständischen Fachgeschäften geprägt, hat die EFTEC festgestellt. Es gebe 4000 Facheinzelhändler, die europäische Marken in westlich gestalteten Geschäften verkauften. Nach seinen langjährigen Russlanderfahrungen hat Döpfer wichtige Hinweise für Bekleidungshersteller zusammengestellt: Der russische Einzelhandel schaue zunächst einmal auf den „Bekanntheitsgrad der Marke“, dann auf „Verarbeitungsqualität und Passform“. „Die Russen haben ein ähnlich hohes Qualitätsbewusstsein wie die Japaner“, weiß Döpfer. Gefragt ist auch junge Strick-Kombimode für die Karriere-Frau und auch bei großen Größen kommt es darauf an, dass sie modisch ist.

Das Marktvolumen des russischen Bekleidungsmarktes wird auf 5 Mrd. Euro geschätzt. Döpfer glaubt, dass der Bereich Luxus- und Prestigemarken im nächsten Jahr um 5 % wachsen wird, das Segment mittlere und gehobene Herstellermarken um 10 %.

Deutsche Hersteller haben in Russland bereits den Fuß in der Tür. Wie die EFTEC ermittelte, lieferte die gesamte EU Bekleidung im Wert von 931 Mill. Euro nach Russland (plus 13 %). Hauptlieferant ist Italien mit 54 % Exportanteil, aber auf Rang zwei folgt bereits Deutschland mit Ausfuhren im Wert von 230 Mill. Euro oder 26 % der EU-Ausfuhren.

In diesem Umfeld richtet Manfred Kronen, geschäftsführender Gesellschafter der Düsseldorfer Igedo, die Modemesse „Collections Premiere Moscow“ (CPM) vom 23. bis 26. September mit etwa 300 Ausstellern aus. Es ist Kronens zweiter Versuch in Russland. Bereits Anfang der 90er-Jahre hatte er zusammen mit dem Wattenscheider Bekleidungshersteller Klaus Steilmann versucht, in Moskau eine Art Fashion House aufzuziehen, gab das Unterfangen aber schnell wieder auf.

Die Zeiten haben sich inzwischen geändert, begründet Igedo-Manager Gerald Beck, Projektleiter der CPM, den zweiten Vorstoß, zumal es sich dieses Mal nicht um ein festes Fashion House, sondern um eine Messe handelt. „Heute stehen die Zeichen besser“, meint auch Hermann Fuschslocher, Unternehmensberater in Düsseldorf. Unter Präsident Putin sei die Lage sicherer geworden - einfach sei das Geschäft aber immer noch nicht. Es macht für Fuchslocher aber Sinn, wenn sich deutsche Marken in Russland präsentieren.

An der „Collections Premiere Moscow“ nimmt - neben anderen namhaften Herstellern - auch die Schmallenberger Falke-Gruppe über ihren örtlicher Vertreter (Importeur) teil, um die Corporate Identity des Strumpf- und Bekleidungsherstellers zu präsentieren, wie Meyer betont. Doch darüber hinaus sei die Modemesse - anders als die Messen in Westeuropa - noch sehr wichtig für die Order und die Kontakte mit den Kunden, die aus der Provinz anreisten.

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