Groß-Demo gegen Porsche-Chef
Kampfansage: 40 000 gegen Wiedeking

Showdown in Wolfsburg: Die IG Metall hat 40.000 Metaller zu einer der größten Protestaktionen in der Geschichte von Volkswagen zusammen getrommelt. Offiziell richtet sich der Protest gegen die Abschaffung des VW-Gesetzes - eigentlich sucht die IG Metall die Machtprobe mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

HB WOLFSBURG. Die Inszenierung war perfekt. Um kurz vor zehn marschierten 40.000 VW-Mitarbeiter aus zwei Richtungen auf die Konzernzentrale auf dem Wolfsburger Werksgelände zu. Mit Trillerpfeifen und Trommeln machten sie so viel Lärm, dass der, gegen den sich ihre Wut richtet, sie nicht überhört haben kann. Denn Porsche-Chef Wendelin Wiedeking saß zur gleichen Zeit im dritten Stock in der Aufsichtsratssitzung des etwas altbackenen Industriedenkmals. Von dem Raum aus, in dem die VW-Kontrolleure tagen, kann er durch die breite Fensterfront das verfolgen, wie die IG-Metall ihm die Stirn bietet. Offiziell demonstrieren die VW-Mitarbeiter zwar für den Erhalt des VW-Gesetzes. Doch Wiedeking weiß: Diese Demonstration ist vor allem ein Protest gegen seinen Kurs bei der VW-Übernahme.

So wird es denn auch jedes Mal laut, als der erste Redner Frank Patta, der Wolfsburger IG-Metall-Chef, Wiedeking direkt anspricht. „Herr Wiedeking, hier stehen 40 000 Menschen“, schreit er ins Mikrofon und wird mit Trommeln und Trillerpfeifen durch die Masse unterstützt. „Und wenn sie das nicht überzeugt: Wir können in Europa 200 000 Menschen zusammenbringen.“ Und er legt nach: „Herr Wiedeking, egal wie viele Logen oder Bandenwerbung sie im VFL-Stadion kaufen, eine Heuschrecke wird in Wolfsburg nie ein Leitwolf werden. Denn ein Leitwolf kämpft an der Seite seines Rudels und nicht gegen sein Rudel.“

Die VW-Angestellten auf dem Wolfsburger Werksgelände sind seiner Meinung. „Ich kämpfe hier für das VW-Gesetz“, erzählt ein Demonstrant. „Aber vor allem müssen wir dem Wiedeking zeigen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen.“ Ein anderer sagt: „Von da oben muss er uns hören. Hoffentlich merkt er, dass wir so leicht nicht unterzukriegen sind“. Ob die Demonstrationen den gewünschten Erfolg haben, da sind sie sich jedoch nicht sicher. „Wir müssen abwarten, was in den nächsten Tagen passiert“, meint ein Dritter. „Ich bin zwar mit der Politik von Wiedeking nicht einverstanden, aber letztendlich macht er auch nur seinen Job.“

Als VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, der zwei Minuten zuvor noch mit Wiedeking in der Aufsichtsratssitzung saß, die Bühne betritt, singen ihm die Arbeiter zunächst ein Geburtstagsständchen. Man spürt die breite Sympathie für diesen Mann. Die Wolfsburger Arbeitnehmer mögen ihn. Eine direkte Ansprache seines Widersachers Wiedeking vermeidet Osterloh. „Finger weg von unserem VW-Gesetz“, ist stattdessen seine Botschaft in Richtung Brüssel. Seine Rede hält er kurz, denn er muss zurück in den großen Aufsichtsratsraum mit den holzvertäfelten Wänden und mit den modernen Lesersessel – zu seinen Kollegen und zu Wendelin Wiedeking.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%