Groß-Gerau und Regensburg
Südzucker schließt Werke

Europas größter Zuckerproduzent Südzucker will seine Werke in Groß-Gerau und Regensburg schließen. Das kündigte das Unternehmen am Mittwoch in Mannheim an.

dpa-afx MANNHEIM. In Reaktion auf die EU-Zuckerpolitik will Europas größter Zuckerproduzent Südzucker zwei seiner elf Werke in Deutschland schließen. Die Standorte im südhessischen Groß-Gerau mit 113 Mitarbeitern und im bayerischen Regensburg mit 165 Beschäftigten sollten "sozialverträglich" stillgelegt werden, teilte ein Sprecher am Mittwoch in Mannheim mit.

Die EU-Zuckermarktreform hat dem Unternehmen zum ersten Mal seit mehreren Jahrzehnten einen Verlust eingebrockt: Der Gesamtkonzern rechnet 2006/07 (Ende Februar) mit einem Fehlbetrag von voraussichtlich 200 Mill. Euro. Die Südzucker-Aktie gewann bis Mittag in einem schwächeren Gesamtmarkt 0,95 Prozent auf 13,75 Euro und gehörte damit zu den besten Werten im MDax.

Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sollten noch am Mittwoch beginnen, kündigte der Sprecher an. Ob Südzucker betriebsbedingte Kündigungen aussprechen werde, sei derzeit unklar: "Wie das rechtlich aussieht, können wir noch gar nicht sagen." Auch bis wann die beiden Zuckerfabriken dicht gemacht werden sollen, stand zunächst nicht fest. Die Entscheidung über Schließungen und Zeitabläufe soll der Aufsichtsrat im Mai treffen. Südzucker beschäftigt in Deutschland 4 113 Mitarbeiter, weltweit sind es 19 900.

Die betroffenen Standorte in Groß-Gerau und Regensburg hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit 1994 als "gefährdet" eingestuft. Die 1 899 gegründete Zuckerfabrik in Regensburg ist die älteste in Bayern. Im Schnitt wird dort alle zwei Sekunden Zucker für den Jahresbedarf eines Verbrauchers erzeugt. Das 1 883 gegründete Werk in Groß-Gerau ist die größte Zuckerfabrik in Hessen. Der Zucker-Jahresbedarf eines Einzelnen wird hier durchschnittlich alle 2,2 Sekunden produziert.

Die europäische Zuckerindustrie bekommt die im vergangenen Sommer in Kraft getretene EU-Zuckermarktreform zu spüren. Die EU- Kommission hat auf Druck der Welthandelsorganisation (WTO) die Garantiepreise der Rübenbauer um rund ein Drittel gekürzt und die Exporte reguliert. Unrentablen Produzenten soll der Ausstieg mit Finanzmitteln versüßt werden.

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