Großaktionär
Daimler leidet unter Airbus-Debakel

Die Lieferschwierigkeiten beim Großraumflieger A 380 hinterlassen auch bei Daimler-Chrysler Spuren in der Bilanz. Der Autobauer ist einer der Großaktionäre der Airbus-Mutter EADS. Analysten gehen von mehreren hundert Millionen Euro aus, die die Stuttgarter verlieren. Daimler-Chrysler müht sich um Schadensbegrenzung.

hz/mwb STUTTGART. Nach Einschätzung von Analysten werden die Probleme des Riesen-Airbus A 380 den operativen Gewinn des Stuttgarter Autokonzerns mit rund 300 Mill. Euro im laufenden Jahr belasten. Daimler-Chef Dieter Zetsche müsste demnach seine bereits nach unten revidierte Gewinnprognose erneut senken: von 5 auf 4,7 Mrd. Euro.

Daimler hatte am Dienstagabend angekündigt, die neuerlichen Belastungen für das Ergebnis durch die weiteren Verzögerungen beim A380 bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal am 25. Oktober zu beziffern. Ein Daimler-Sprecher wollte darüber hinaus am Mittwochkeine weiteren Angaben machen. Die Daimler-Aktie kam am Tag nach der neuerlichen A380-Hiobsbotschaft zunächst unter Druck, erholte sich dann aber wieder.

Am Dienstag hatte EADS bekannt gegeben, dass sich die Auslieferung des neuen Großraumflugzeugs nochmals um 10 Monate verschiebt. Damit kommt der Flieger insgesamt gut zwei Jahre später als geplant auf den Markt. Einnahmeausfälle und Schadenersatz-Zahlungen an die Fluglinien summieren sich bei EADS auf geschätzte 4,8 Mrd. Euro. Um den Schaden zu begrenzen, hat der Konzern ein Kostensenkungsprogramm für Airbus aufgelegt. Entlassungen soll es jedoch nicht geben.

Da die Beteiligung von Daimler-Chrysler an EADS 2006 formal noch 30 Prozent beträgt, wird sich der Beitrag von EADS zum Beteiligungsergebnis von Daimler im laufenden Jahr laut Einschätzungen von Finanzexperten knapp halbieren. Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank erwartet nun statt 600 Mill. Euro nur noch 360 Mill. Euro und auch die Experten der WestLB rechnen wegen der A 380 mit neuen Belastungen von 300 Mill. Euro für Daimler. Im kommenden Jahr würden die Auswirkungen der Lieferschwierigkeiten mit 100 Mill. Euro jedoch geringer ausfallen, weil der Konzern dann nur noch 22,5 Prozent an EADS halte.

Daimler-Chrysler und der französische Lagardère-Konzern hatten im April dieses Jahres vereinbart, jeweils 7,5 Prozent an EADS abzugeben. Daimler-Chrysler würde danach nur noch 22,5 Prozent halten. Der Verkauf des 7,5-prozentigen EADS-Aktienpakets von Daimler an institutionelle Investoren wird aber erst 2007 wirksam, weil dadurch hohe Steuerzahlungen vermieden werden können. Zetsche hatte angekündigt, dass die Beteiligung an EADS in den nächsten Jahren auf bis zu 15 Prozent zurückgefahren werden könnte. Die große Nachfrage nach dem neuen Super-Airbus A 380 biete eine „hervorragende Basis für weiteres profitables Wachstum in den kommenden Jahren", hatte er noch auf der Daimler-Hauptversammlung in Berlin gesagt. Nun ist das einst strahlende Prestigeprojekt neben der US-Sparte Chrysler zum zweiten Problemfall des Stuttgarter Konzerns avanciert.

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