Großaktionäre zögern bei Kapitalaufstockung
Grünes Licht Für Leica-Rettungspaket

Leica ist vorerst gerettet: Die Hauptversammlung billigte am Dienstag mit großer Mehrheit ein umfangreiches Rettungspaket, das dem verlustreichen Kamerahersteller frisches Geld zuführen soll. Zwei Mehrheitsaktionäre zögern allerdings noch, sich an der geplanten Kapitalerhöhung zu beteiligen.

HB SOLMS. Mehr als 90 % des vertretenen Kapitals stimmten am Dienstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im hessischen Solms für einen Kapitalschnitt im Verhältnis eins zu drei, die Ausgabe neuer Aktien für je 1,70 €, die knapp 23 Mill. € einbringen soll, und ein zusätzliches genehmigtes Kapital. Leica will die Einnahmen aus der Kapitalerhöhung zur Entwicklung neuer Produkte verwenden, mit denen das Unternehmen ins digitale Zeitalter vordringen will.

Vertreter der beiden Großaktionäre, der französischen Hermes-Gruppe und Austrian Capital Management (ACM), forderten allerdings mehr Einblick in konkrete Schritte, mit denen der neue Vorstandschef Josef Spichtig Leica sanieren will. „Ich glaube, Spichtig kann liefern. Aber was wir heute gehört haben, war nur der erste Teil einer Strategie. Wir werden uns erst dann (zur Teilnahme an der Kapitalerhöhung) verpflichten, wenn wir uns verpflichten können“, sagte ACM-Direktor Andreas Kaufmann am Rande des Aktionärstreffens der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir würden an der Kapitalerhöhung ohne eine klare und sichere Strategie nicht teilnehmen. Wir wissen es noch nicht. Wir müssen darüber nachdenken“, sagte Hermes-Co-Chef Patrick Thomas. Hermes und ACM halten 60 % an Leica Camera.

Spichtig, der seit April im Amt ist, nachdem die Banken die Kreditlinien von Leica gekürzt hatten, bat die Aktionäre um Geduld bei der Sanierung. „Auch wenn vor uns ein steiniger Weg liegt, glaube ich persönlich, dass die Firma eine Zukunft hat“, sagte er. Gewinne seien aber erst im Geschäftsjahr 2006/07 zu erwarten. Derzeit versucht Leica einen Überbrückungskredit zu erneuern, der in zwei Wochen ausläuft. Die außerordentliche Hauptversammlung musste einberufen werden, weil Leica mit dem Verlust des vergangenen Jahren mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt hatte.

Leica hatte den Trend zur digitalen Fotografie unterschätzt und leidet darunter immer noch. Leica-Kameras, mit denen einst die moderne Fotoreportage begann, sind heute Nischenprodukte für Liebhaber, die bereit sind, mehrere Tausend Euro für eine Leica zu zahlen. Spichtig sagte, Leica werde bei Kompaktkameras mit anderen Herstellern zusammenarbeiten, im Hochpreissegment aber weiterhin eigene Kameras entwickeln. Außerdem werde Leica Kosten senken und den Lagerbestand von derzeit rund 42 Mill. € halbieren.

„Unser Ziel ist es, im Geschäftsjahr 2006/07 die Gewinnschwelle zu erreichen“, sagte Spichtig. „Das ist aus Sicht der Anteilseigner zwar kein zufrieden stellendes Ziel, aber mit Blick auf unsere Position ein sehr herausforderndes Ziel“, fügte er hinzu. Die Nachfrage in den ersten zwei Monaten des neuen Geschäftsjahres 2005/06 (zum 31. März) sei schleppend gewesen, berichtete der Vorstandschef. Im April habe das Unternehmen 1,7 Mill. € operativen Verlust bei Umsätzen von 6,2 Mill. € verzeichnet. Der Monat Mai sei ähnlich verlaufen, sagte er.

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