Großauftrag aus Großbritannien winkt
Airbus fasst im Markt für militärische Tankflugzeuge Tritt

Die deutsche Luftwaffe hat ihr erstes Tankflugzeug erhalten. Der umgebaute Airbus A 310, der am Dienstag auf dem Gelände der Elbe- Flugzeugwerke vorgestellt wurde, kann auch als Personen- und Frachtmaschine oder als fliegendes Hospital eingesetzt werden. Bis 2005 soll Airbus noch weitere zwei Maschinen für die Luftwaffe umbauen. Bislang muss die Bundeswehr Flugzeuge für die Luftbetankung bei ihren Verbündeten anmieten.

and/mwb/tom DRESDEN/LONDON. Für die Airbus-Mutter EADS ist der Tankflugzeug-Auftrag der Eintritt in einen neuen Markt. Den Durchbruch erwartet der deutsch-französische Konzern aber mit dem Geschäft in Großbritannien. Die britische Regierung will ihre gesamte veraltete Flotte austauschen und Airbus schickt seine A 330 ins Rennen. Bei dem Auftrag steht viel auf dem Spiel: London will nicht nur neue Flugzeuge kaufen. Das Airbus-Konsortium Air Tanker (EADS, Rolls Royce, Tahles) und sein Mitbewerber Tanker & Transportation Service Company (Boeing, BAE Systems) konkurrieren um den bisher größten militärischen Privatisierungsauftrag in Großbritannien: Über einen Zeitraum von 27 Jahren kauft die Armee Lufttank-Dienstleistungen für rund 19 Mrd. Euro. Airbus erwartet eine Entscheidung noch in diesem Jahr (siehe Interview). Langfristig will Airbus Boeing auf dem Markt für militärische Transportflugzeuge einen Anteil von mindestens 50 % abnehmen, sagt Airbus-Vorstand Gustav Humbert.

Konkurrent Boeing ist inzwischen erheblich unter Druck geraten: Nach Affären um einen umstrittenen Tankflugzeugauftrag in den USA war Boeings Geschäftsgebaren im Rüstungsbereich in die Kritik geraten und Vorstandschef Phil Condit zurückgetreten. Der Auftrag liegt nun auf Eis.

Goldman Sachs sieht Boeings Felle bereits schwimmen: Das Angebot orientiere stark am US-Design und ignoriere den Dienstleistungsaspekt, heißt es in einer aktuellen Studie. Die Aktienmärkte hätten zudem bereits eine Sieg des Airbus-Konsortiums eingepreist. Boeing zieht inzwischen alle Register: Der neue Chef Harry Stonecipher hatte kürzlich wieder die Spekulationen um eine Fusion mit BAE Systems angeheizt. Beobachter deuteten dies auch als ein Signal im Poker um den Lufttanker-Auftrag.

Boeing hat ein Problem: So lange der umstrittene US-Auftrag eingefroren bleibt, kann der Konzern der britischen Industrie keine Zusagen für Arbeitsanteile machen, da die Projekte eng miteinander verknüpft sind, weiß der Rüstungsanalyst Francis Tusa. Die Angebote der Erz-Konkurrenten unterscheiden sich in einem wichtigen Punkt: Während Boeing auf alte umgerüstete 767-Maschinen von British Airways setzt, schickt Airbus einen Mix aus neuen und gebrauchten Flugzeugen ins Rennen. Das Boeing-Konsortium verweist daher auch gerne auf die angeblich niedrigeren direkten Betriebskosten der 767.

Auf die Kosten muss das britische Verteidigungsministerium zur Zeit tatsächlich schauen. Allein der Irakkrieg hat Großbritannien bislang 5,5 Mrd. Pfund gekostet. Das Budget für neue Aufträge steht unter Druck. Minister Geoff Hoon will morgen sein Weißbuch zur Zukunft der britischen Armee vorstellen: Angeblich will er die Truppenstärke nicht dramatisch reduzieren. Doch bei der Ausrüstung und neuen Projekten erwartet die Industrie Kürzungen von bis zu 2,8 Mrd. Euro

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Vor allem bei der Bestellung des Eurofighter, dem bisher größten gemeinschaftlichen europäischen Rüstungsprojekt dürfte London nach Ansicht von Experten deutlich sparen. Erwartet wird insgesamt eine Kürzung der Aufträge um ein Drittel. Das Lufttanker-Projekt wird bislang aber noch nicht im Zusammenhang mit den Streichungen erwähnt.

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