Großauftrag aus Indien
US-Konzerne haben gegen Europas Kampfjets keine Chance

Es ist ein Kampf um Milliarden: Wer rüstet Indien mit Kampfjets aus? Der Eurofighter hat nun einen großen Etappensieg errungen: Die Konkurrenten von Boeing und Lockheed Martin wurden abgelehnt.
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Neu DelhiIm Rennen um einen elf Milliarden Dollar schweren Auftrag für indische Kampfflugzeuge biegen die französische Dassault und das EADS-Konsortium Eurofighter als letzte Kandidaten auf die Zielgerade. Die US-Schwergewichte Boeing und Lockheed Martin hätten dagegen die technischen Anforderungen der indischen Luftwaffe nicht erfüllen können, verlautete am Donnerstag aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Indien - der schwedischen International Peace Research Institute zufolge der weltgrößte Waffen-Importeur - stellt mit der Vergabepolitik seine internationalen Beziehungen auf eine breitere Basis - und könnte die USA mit der Nichtberücksichtigung vergrätzen. "Das ist ein Rückschlag für die politischen Beziehungen", sagte der frühere indische Außenminister Kanwal Sibal.

Überraschend trat am Donnerstag der US-Botschafter in Indien, Timothy Roemer, zurück. Als Begründung wurden persönliche wie berufliche Gründe genannt. Die Botschaft wollte sich nicht zur Frage äußern, ob die Entscheidung mit der Abfuhr für die US-Konzerne zusammenhing. Roemer äußerte sich "tief enttäuscht".

Die USA würden aber weiter versuchen, die Zusammenarbeit mit Indien bei Rüstungsprojekten auszubauen. US-Präsident Barack Obama hatte sich bei einem Besuch vor fünf Monaten persönlich für den Mega-Deal eingesetzt.

Indien hatte sein Verteidigungsbudget für das Geschäftsjahr bis März 2011 um knapp zwölf Prozent auf mehr als 36 Milliarden Dollar erhöht. Rivale China gibt damit offiziell aber immer noch mehr als das Doppelte aus.

Lockheed hatte seine F-16 und Boeing die F/A-18 Super Hornet ins Rennen gegen die Rafale von Dassault und den Eurofighter von EADS geschickt. Eine Abfuhr bekamen neben den Amerikanern aber auch die schwedische Saab mit ihrem JAS-39 und Russlands MiG-35. Boeing sprach von einer Enttäuschung. Dassault und Eurofighter wollten sich nicht äußern. Boeing hatte kürzlich EADS bei einem rund 30 Milliarden Dollar schweren US-Tankflugzeugauftrag für die US-Luftwaffe ausgestochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Welche Moral gebietet es, durch mangelnde Wehrhaftigkeit seine Selbstbestimmung zu verlieren?
    Sicher kann man mit Waffenproduktionen Geld verdienen und das muß man auch, um die eigene Wehrhaftigkeit zu erhalten.

    Schließlich liefert Deutschland nicht die Glocke L/2, sondern alte Technik.

  • `Starke Gegner..- dieser Logik folgend ist eher eine gute Raketentechnologie mit anständigen A - Bomben zur Abschreckung relevant.Solche Kampfjetdeals folgen eher politischen Vorgaben und sind massiv schädlich für das Staatsbudget,also für das Volkswohl.Wesentliche Mittel werden so der gesellschaftlichen Entwicklung - Infrastruktur,Gesundheit,Bildung- entzogen.Die Völker dieses Planeten sollten ihre Ausnutzung durch dümmliche Rüstungskonzerne und ihren geschmierten Politikclowns nicht länder zulassen.

  • 'Besseres selbst..' - Das trifft wohl nicht zu. Der Eurofighter dürfte wohl das leistungsfähigste Flugzeug seiner Größe sein. Zwei Triebwerke, Wendigkeit, Steigfähigkeit, Wartungsfreundlichkeit und das Piloteninterface sind in der Kombination eher einzigartig. Die US-Fighter sind zu alt oder haben andere Stärken. Über den Eurofighter ist viel Schlechtes berichtet worden. Aus heutiger Sicht bietet wohl keine Maschine so viel Leistung fürs Geld.

    Dass es das letzte Kampfflugzeug wird, das Indien kauft, halte ich ich trotzdem für realistisch. Ferngesteuerte Flieger werden den Job übernehmen. Damit wird die Welt leider nicht friedlicher.

    Gerade im Dreieck Pakistan, Indien, China ist ein ausgewogenes Kräfteverhältnis wichtig für die Friedenserhaltung. Ein Schwacher Gegner könnte leicht Opfer von militärischen Experimenten werden. Starke Gegner, die ihre Stärken gegenseitig kennen, respektieren sich eher und halten Frieden. So gesehen finde ich den Deal OK.

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