Großauftrag
China kauft neue Airbusse

Ein erster Erfolg für die Delegationsreise von Kanzlerin Merkel: China bestellt trotz Zoff um die EU-Emissionsabgabe Flugzeuge im Wert von mehreren Milliarden Euro. Auch andere Unternehmen verbuchten Aufträge.
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PekingDer europäische Flugzeughersteller Airbus konnte sich in China einen üppigen Auftrag sichern. Im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel und Premier Wen Jiabao haben Industrievertreter einen Vertrag über die Lieferung von 50 Maschinen vom Typ A320 unterzeichnet. Den Preis beziffern chinesische Quellen mit 3,5 Milliarden Euro.

Im vergangenen Jahr war noch unklar, wie es mit dem Airbus-Geschäft in China weitergeht. Hintergrund ist der laufende Streit um europäische Emissionsabgaben für Flüge auf eigenem Boden. Obwohl die Belastung alle Anbieter gleich trifft, haben chinesische Fluglinien den Klimaplan als neue Steuer wahrgenommen. Sie weigern sich, die Abgabe zu zahlen und haben den Staat – der hohe Anteile an allen chinesischen Airlines besitzt – für ihre Sache mobilisiert. Peking kämpft daher vehement gegen die Emissionsregeln.

Bei Airbus herrschte deshalb Unsicherheit, ob die Regierung als Strafe für das geringe Entgegenkommen der Europäer seine Aufträge zurückfährt. Peking spricht bei der Bestellung neuer Flugzeuge im Allgemeinen ein deutliches Wort mit. Deshalb erfolgt der Vertragsabschluss auch in Form einer Zeremonie im Beisein der Regierungschefs - und bedeutete einen Durchbruch, den die anwesenden deutschen Unternehmer und Politiker spontan beklatschten.

Es sprangen noch weitere Wirtschaftsverträge dabei heraus. Ein befristeter Vertrag über die Endfertigung von Airbus-Flugzeugen auf chinesischem Boden erhielt einer Verlängerung bis 2016. Volkswagen investiert in der Nähe der Hafenstadt Tianjin in ein neues Werk für Getriebe.

Der Hubschrauberhersteller Eurocopter erhält in China eine Endfertigung. Dazu kam ein Abkommen zwischen dem großen chinesischen Netzausrüster ZTE und der Industrial Engineering and Technologies Holding über den Ausbau von Glasfaserverbindungen, das einen Wert von 1,3 Milliarden Euro haben soll.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

Kommentare zu " Großauftrag: China kauft neue Airbusse"

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  • @Edelzwicker

    Wenn die Cheinesen dieses hochkomplizierte Produkt (Airbus) schon kopieren könnten, würden sie es tun - glauben sie mir. Aber wir gegen uns ja gehörige Mühe, es ihnen so schnell wie möglich beizubringen. Fertigungsschritte, Spezialwerkzeug, Qualitätsüberprüfung und -sicherung, ... ALL DAS KANN MAN NICHT BEKOMMEN/ERLERNEN, WENN MAN EINEN AIRBUS EINFACH AUSEINANDERBAUT !!!

  • @pro-D

    Ich habe doch gar nichts gegen Geschäfte mit erfolgreichen Nationen. Aber wenn wir unsere Technologieerfolge schneller auslagern, als wir neue entwickeln können, dann versklaven wir uns selbst.

    Ein deutscher Ingenieur hat i.d.R. 13 Jahre Schule und 5-6 Jahre Studium hinter sich. Danach lernt er von seinen erfahrenen Kollege, bevor er selbst seine ersten gewinnbringenden Entwicklungen einbringt. Die Chinesen sparen sich diese "sinnlose" Zeit und lassen sich lieber gleich zeigen, wie es geht. Schlau - und dumm von uns, wenn wir da mitspielen.

  • Haben Sie nicht gelesen, dass es sich um eine "Endfertigung" handelt? Eine Endfertigung ist KEINE Entwicklung eines so komplizierten technologischen Produktes - das sage ich Ihnen als "dummer Ingenieur"!

    Wenn die Chinesen den Airbus kopieren wollten, brauchten sie bloße einen aus ihrer Flotte auseinandernehmen und nachbauen!

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