Großauftrag
US-Luftwaffe bringt EADS ins Spiel

Der europäische Luftfahrtkonzern EADS hält bei einem der größten Aufträge des Pentagon gute Karten: Die Chancen, dass EADS bei einem der bisher größten Pentagon-Aufträge zum Zuge kommt, sind offenbar deutlich gestiegen. Dafür gibt es Beobachtern zufolge ein deutliches Indiz.

NEW YORK. EADS kann auf einen Durchbruch im US-Verteidigungsmarkt hoffen. Darauf weisen Aussagen des Stabschefs der US-Luftwaffe hin, der zur kompletten Erneuerung der Air-Force-Tankerflotte auf mehr als nur einen Anbieter zurückgreifen will. General Michael Moseley sagte vor Journalisten in New York: „Ich denke, es wird am Ende auf eine gemischte Flotte hinauslaufen.“ Es sei künftig durchaus von Nutzen, wenn die US-Luftwaffe sowohl größere als auch kleinere Tanker in ihrer Flotte habe, ergänzte er.

Beobachter werten die Aussagen Moseleys als deutliches Indiz, dass EADS/Airbus bei dem Multi-Milliardenauftrag zumindest einen Anteil bekommen dürfte. Die Europäer bieten gemeinsam mit ihrem US-Partner Northrop Grumman einen Tanker auf Basis des Passagierflugzeugs A330 an, der größer ist als die KC-767 des Rivalen Boeing und deutlich mehr Fracht transportieren kann. Das Konsortium sieht die Größenvorteile des Airbus-Jets als wichtiges Verkaufsargument, weil die US-Luftwaffe auf Jahrzehnte alten Frachtmaschinen sitzt, deren Wartungskosten aus dem Ruder laufen.

Die Air Force hat in einem ersten Schritt 179 neue Tank-Jets im Wert von rund 40 Mrd. Dollar (31 Mrd. Euro) ausgeschrieben. Über die nächsten Jahre ist jedoch eine komplette Erneuerung der Tankerflotte vorgesehen, die derzeit 533 Flugzeuge umfasst. General Moseley sagte in New York, nach dem laufenden Tanker-Wettbewerb würde „eine weitere Tranche über 180 bis 200 Flugzeuge“ ausgeschrieben. Von ihrer Haltung, dass eine Splittung des Auftrags aus Kostengründen nicht in Frage kommt, ist die Air Force offenbar abgerückt. Bisher besteht die Tanker-Flotte der US Air Force ausschließlich aus Boeing-Maschinen.

Der US-Konzern galt bei der Ausschreibung als klarer Favorit, weil er aus politischen Gründen Heimvorteil hat: Boeing habe das „richtige Flugzeug mit der richtigen Grundlage“, sagte etwa Norm Dicks, ein einflussreicher demokratischer Abgeordneter aus dem Boeing-Heimatstaat Washington. Zudem bietet der US-Konzern mit der 767 den kleineren und vermeintlich günstigeren Jet an. Der Listenpreis liegt bei 120 Mill. Dollar, Airbus verlangt für die A330 laut Liste 164 Mill. Dollar.

Insider erwarten jedoch einen erbitterten Preiskampf, bei dem die Europäer notfalls bereit sein werden, auch über die Schmerzgrenze zu gehen. Das Fachmagazin „Aircraft Values News“ berichtete kürzlich, Airbus unterschreite bei „strategischen“ A330-Deals schon mal die Grenze von 80 Mill. Dollar – und biete die Jets damit zum halben Preis an.

Das Kalkül der Europäer mit Blick auf den Tanker-Deal sieht so aus: Sollte Airbus ein größeres Flugzeug zum gleichen Preis wie Boeing anbieten, werde die Air Force eine alleinige Auftragsvergabe an Boeing nicht durchbekommen.

Die Modernisierung der alternden KC-135-Flotte hat bei der US-Luftwaffe absolute Priorität. Das Ausschreibungsverfahren war nach einem Bestechungsskandal in Gang gesetzt worden, in dessen Folge ein Boeing-Spitzenmanager und eine Beschaffungsbeamtin der Luftwaffe ins Gefängnis mussten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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