Großbritannien
Hochtief bietet für britischen Flughafen

Deutsche Unternehmen strecken die Hand nach dem britischen Flughafen Gatwick aus: Nach dem Baukonzern Hochtief will nun offenbar auch ein Konsortium um die Deutsche Bank-Tochter RREEF ein Angebot für den Flughafen vorlegen.

FRANKFURT.Deutsche Unternehmen strecken die Hand nach dem britischen Flughafen Gatwick aus. "Wir haben eine Offerte für Gatwick eingereicht", erklärte gestern der Baukonzern Hochtief. Zudem will nach Informationen aus Finanzkreisen ein Konsortium um die Deutsche-Bank-Tochter RREEF ein Angebot abgeben. Eine Bestätigung gab es dafür gestern allerdings nicht. Dagegen hat der deutsche Flughafen-Betreiber Fraport abgewinkt.

Gatwick ist einer von drei britischen Flughäfen, die der Betreiber, die zur spanischen Baugruppe Ferrovial gehörende BAA, auf Geheiß der britischen Wettbewerbsbehörde abgeben muss. Er ist mit 34 Mio. Passagieren im Jahr der zweitgrößte Flughafen im BAA-Portfolio hinter London-Heathrow. Zum Verkauf stehen außerdem London-Stansted und Edinburgh. Gestern lief die Frist für unverbindliche Angebote ab.

Hintergrund der Anweisung zum Verkauf ist der nach Ansicht der Aufsichtsbehörde mangelhafte Wettbewerb zwischen den britischen Flughäfen. So hatte es verstärkt Klagen von Passagieren und auch Fluggesellschaften über hohe Gebühren und schlechten Service gegeben.

Branchenkenner hatten den Wert der Gatwick-Transaktion bis vor kurzem auf etwa zwei Mrd. Pfund taxiert. Ob diese Summe tatsächlich erreicht wird, ist allerdings offen. Die Wirtschaftskrise macht den britischen Flughäfen derzeit mächtig zu schaffen. Alleine in Gatwick ist die Passagierzahl im Dezember fast 14 Prozent eingebrochen.

Luftfahrtkenner verweisen allerdings darauf, dass der Kapazitätsbedarf ungeachtet der Krise langfristige steigen wird. Somit zählen Flughäfen grundsätzlich zu langfristig attraktiven Investments, vor allem für spezialisierte Betreiber. Dazu zählt etwa Hochtief. Der Baukonzern ist bereits bei den Flughäfen in Düsseldorf, Hamburg, Budapest und Tirana aktiv.

Auch der Fonds Global Infrastructur Partners, der gestern bekräftige, ein Angebot abgeben zu wollen, verfügt über Erfahrung auf diesem Gebiet. Er betreibt zum Beispiel den benachbarten Flughafen London City Airport. Hinter dem Fonds stehen General Electric und Credit Suisse.

Dass Fraport auf eine Offerte verzichtet, dürfte mit der Entscheidung der britischen Regierung zusammenhängen, im benachbarten Heathrow eine dritte Bahn zu bauen. Darunter wird das Passagieraufkommen in Gatwick leiden. Fraport wollte die Entscheidung gestern nicht weiter begründen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%