Großbritannien
Poker um britische Atom-Zukunft

Großbritannien will acht neue Kernkraftwerke von privaten Investoren bauen lassen, darunter sind auch RWE und Eon. Allerdings zieht sich die Auktion von Kraftwerks-Standorten in die Länge. Centrica zögert mit dem Kauf von 25 Prozent an British Energy und will bessere Konditionen heraushandeln.

LONDON/PARIS. Die neue britische Atomindustrie nimmt nur zögerlich Gestalt an. Der französische Energieriese EDF hat mit dem Kauf des Atomstromproduzenten British Energy für 12,5 Mrd. Pfund (13,8 Mrd. Euro) eine Schlüsselposition erobert. Doch nun stocken die Verhandlungen über den im Herbst verabredeten Weiterverkauf eines 25-Prozent-Pakets an den größten Energieversorger des Landes, Centrica. Währenddessen ist die Auktion von drei Kernkraft-Standorten in die vierte Woche gegangen. An ihr beteiligen sich auch Eon und RWE, die auf der Insel gemeinsam Atomkraftwerke bauen wollen.

Die britische Regierung hat sich für den Bau acht neuer Kernkraftwerke durch private Investoren ausgesprochen. Der Kraftwerkspark des Landes muss erneuert werden und die Regierung will das mit einer drastischen Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen verbinden. Darum sieht sie keine Alternative zu einer neuen Generation von Atomkraftwerken. Die konservative Opposition, die in den Meinungsumfragen derzeit deutlich vorne liegt, steht hinter dieser Linie.

Um die Milliarden-Investitionen für den Bau neuer Atomkraftwerke schultern zu können, hat die Industrie Gruppen gebildet. Eon und RWE bilden einen deutschen Block. Sie sind ebenso wie EDF und Centrica bereits maßgebliche Energieversorger in Großbritannien. Die spanische Iberdrola, der der Versorger Scottish Power gehört, kooperiert mit der französischen GDF Suez.

"Die Verhandlungen laufen weiter", sagten Sprecher beider Unternehmen übereinstimmend. Wie die Chancen auf eine Einigung stehen, wollten sie nicht sagen. Die Transaktion sei komplex und der 31. März nie ein fester Termin gewesen, hieß es bei Centrica. Manche Analysten und Aktionäre haben Centrica-Chef Sam Laidlaw aufgefordert, den Deal platzen zu lassen. Er solle lieber Beteiligungen an Gasfeldern kaufen, denn die seien jetzt günstiger zu haben.

Das Unternehmen muss rund 70 Prozent des Gases und 30 Prozent des Stroms, die es Endkunden liefert, im Großhandel dazukaufen. Diesen Anteil will Laidlaw deutlich senken. Dafür hat er rund drei Mrd. Pfund Fremdkapital und 2,2 Mrd. Pfund aus einer Kapitalerhöhung zur Verfügung. Er könnte also sowohl bei Strom als auch bei Gas zuzuschlagen.

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