Großbritanniens Autoindustrie
Cool und sexy – aber bald indisch

Erst kamen Deutsche und Amerikaner, und nun kaufen Chinesen und Inder auf, was von Großbritanniens Autoindustrie noch übrig ist. Und die meisten Briten freut's. Really.

LONDON. Als der 21-jährige Motorrad-Rennfahrer William Lyons 1922 im nordenglischen Küstenort Blackpool begann, Motorrad-Seitenwagen zu bauen, ahnte er nicht, dass er bald eine der berühmtesten Sportwagen-Marken der Welt schaffen würde - Jaguar. Dass seine Firma aber 85 Jahre später von einem Konzern aus der damaligen Kolonie Indien gekauft werden würde - und das unter allgemeinem Beifall in ganz Großbritannien -, das hätte Lyons wohl für ganz und gar unmöglich gehalten.

Tata Motors heißt der Favorit im Übernahmekampf um Jaguar, seit der US-Autokonzern Ford den Sportwagenbauer im Paket mit dem Geländewagenhersteller Land Rover anbietet. Das indische Unternehmen startete 1945 mit dem Bau von Lokomotiven - im selben Jahr, als Lyons die ersten Autos Marke Jaguar baute.

Britisch ist schon lange nichts mehr an Großbritanniens Autoindustrie. Aber schlimm findet das kaum noch jemand auf der Insel. Die Investoren aus China oder Indien werden fast gefeiert - und das nicht ganz zu Unrecht.

Beispiel Jaguar: Bis Ende des Jahres soll der neue Eigner Tata heißen. Als Teil des mächtigsten Industriekonglomerats Indiens hat der Konzern genug Kapital und Geduld, die Edelmarke wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Deshalb ziehen Politiker und Gewerkschafter die indische Lösung dem Verkauf an Finanzinvestoren wie Mitbieter One Equity Partners vor - und das, obwohl der sogar Ex-Ford -Chef Jacques Nasser aufbietet. Die Interessen der Arbeiter würden am besten durch einen Käufer aus der Industrie erfüllt, sagt Tony Woodley, Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes Unite: "Die Betriebsräte sind sich einig, dass Tata am besten unsere Kriterien erfüllt."

Auch in der Politik bedauert kaum einer den Wechsel von Ford zu Tata. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Unterhaus, der Konservative Peter Luff, sagte bissig: "Wenn ich bei Jaguar oder Land Rover arbeiten würde, dann hätte ich lieber einen Konzern als Eigentümer, der Geld zum Investieren hat, als einen, der Milliardenverluste schreibt."

Für den Verkäufer sind zufriedene Briten von Vorteil. Schließlich ist Großbritannien ein wichtiger Markt. "Ford wird darauf achten, einen Deal zu bekommen, der finanziell funktioniert und das Marken-Image nicht beschädigt", sagt der Branchenexperte Christian Boettcher, Partner der Beratungsfirma Lansdowne Consulting in London. Die Paketlösung mit Land Rover jedoch erschwere den Deal. Während Land Rover profitabel ist, ist Jaguar für einen Massenhersteller zu klein und für einen Sportwagenhersteller zu wenig exklusiv.

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