Großbritanniens Spitzenunternehmen
Erfolgreicher und größer als deutsche Konzerne

Was haben BP, Royal Dutch Shell und BHP Billiton, was Deutschland nicht hat? Jeder einzelne Konzern ist umgerechnet weit mehr als 100 Mrd. Euro wert. Das schafft keine heimische Firma. Die Börse allerdings ignoriert die höheren Renditen und Gewinne.

DÜSSELDORF. Der Ölkonzern BP erreicht mit einer Marktkapitalisierung von knapp einer Viertelbillion Euro mehr als die drei schwergewichtigsten Großunternehmen Siemens, Eon und Daimler-Chrysler zusammen. Zugegeben, Deutschland hat keine Ölkonzerne. Die Branche profitiert wie keine andere von steigenden Weltmarktpreisen für ein einzelnes Produkt. Klettert der Rohölpreis, legen die Konzerngewinne zu. Steigen auf der anderen Seite die Preise für Rohmaterialien herkömmlicher Industriekonzerne, dann geraten die Gewinne erst einmal unter Druck, anstatt proportional mitzusteigen.

Dennoch spiegeln solche Vergleiche der Börsenbewertung die unterschiedliche Ausgangslage wider. Schließlich bringen mit dem Mobilfunkanbieter Vodafone und der Großbank HSBC zwei weitere Firmen mehr Marktwert auf die Börsenwaage als das wertvollste deutsche Unternehmen. Eine Erklärung: Während bei den Unternehmen im britischen FTSE-Index im abgelaufenen Geschäftsjahr pro 100 Euro Umsatz durchschnittlich knapp zehn Euro Nettogewinn übrig blieben, war es bei den Dax-Firmen nur halb so viel. Schon das war Rekord. Selbst im Abschwungjahr 2003 erreichten die Briten mit einer Netto-Umsatzrendite von 5,7 Prozent mehr, als die Deutschen jemals schafften. Damals kamen die Dax-Firmen auf 1,75 Prozent.

Auch beim Nettogewinn haben deutsche Firmen das Nachsehen. Während die Firmen im Dax-30 gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 20 Prozent erzielten, schafften die 30 größten Briten im FTSE 63 Prozent.

Umso bemerkenswerter erscheint, dass der Dax trotz dieser schlechteren Ausgangslage seinem Pendant davoneilt. Seit Beginn der Börsen-Hausse im Frühjahr 2003 konnte sich der deutsche Index mehr als verdreifachen, der FTSE „nur“ verdoppeln. Die Lösung verbirgt sich nicht nur in der geringeren Ausgangsbasis – der Dax war vorher stärker gefallen –, sondern auch im größeren Potenzial, das die Finanzmärkte deutschen Konzernen zubilligen.

Während britische Konzerne bereits üppige Renditen erwirtschaften, weil sie sich frühzeitig umstrukturierten, bewegen sich viele deutsche Unternehmen erst dorthin. So verdoppelten der Automobilzulieferer Continental, der Gasespezialist Linde und der Maschinen- und Nutzfahrzeugkonzern MAN binnen weniger Jahre ihre Renditen, indem sie sich schmerzlichen Anpassungsprozessen stellten. Dazu gehörte ein Arbeitsplatzabbau ebenso wie das Verlagern von Produktionsstätten in Niedriglohnländer. Diesen Frühstartern folgen erst jetzt Tanker wie Daimler-Chrysler, Volkswagen, Siemens und Deutsche Telekom. Dem größeren Potenzial laufen vor allem ausländische Investoren hinterher, indem sie deutsche Anteilsscheine überproportional kaufen und damit wertvoller machen. Der britische Vorsprung schmilzt also dahin.

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