Große Pläne
Fiat garantiert Opel-Zentrale in Rüsselsheim

Der Übernahmeplan des italienischen Autobauers Fiat für Opel sieht vor, dass die Zentrale der jetzigen General-Motors-Tochter in Rüsselsheim bleibt. Das Konzept hat weitaus größere Dimensionen als bisher gedacht: Fiat greift nicht nur nach Opel, sondern nach weit mehr vom GM-Geschäft.

FRANKFURT/BERLIN. Nach dem Opel-Konzept der Italiener für das Bundeswirtschaftsministerium, das 46 Seiten umfasst und dem Handelsblatt vorliegt, strebt der italienische Autobauer nicht nur den Einstieg bei Opel an, sondern greift auch nach der insolventen schwedischen GM-Marke Saab, dem Geschäft des Opel-Mutterkonzerns General Motors in Südafrika und in den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Die Marken des neuen Weltkonzerns sollen nach dem Konzept von Fiat-Chef Sergio Marchionne jedoch weitgehend unabhängig geführt werden: Demnach soll die Führung der Marke Opel weiter in Rüsselsheim verbleiben, während Saab aus Schweden und die italienischen Marken aus Turin geführt werden sollen.

Der neue Weltkonzern, den Fiat mit seiner Autosparte, der Beteiligung am US-Autobauer Chrysler und an Opel schmieden will, wäre damit noch größer als bekannt - und würde auch größere Synergien bieten als bisher angegeben. So beziffert Fiat in dem aktuellen Konzept "Project Phoenix" das Synergienpotenzial auf schätzungsweise 1,4 Mrd. Euro. Marchionne hatte in der Öffentlichkeit bisher lediglich eine Zahl von einer Milliarde Euro genannt. Einschnitte sind bei dem neuen Konstrukt allerdings unvermeidlich: Insgesamt sehen die Italiener im Konzept bei einem Opel-Einstieg vier Werke im Konzern von einer Schließung bedroht - davon allerdings in Deutschland nur Kaiserslautern, für das Marchionne Anfang der Woche jedoch eine Bestandsgarantie abgab. Die Opel-Standorte Rüsselsheim und Bochum müssten sich nur darauf einstellen, verkleinert zu werden.

Während die deutschen Werke damit weitgehend glimpflich davon kommen, müssten jedoch das GM-Werk im englischen Luton, die Auftragsfertigung von GM bei Magna im österreichischen Graz mit dem Ende rechnen. Aber Fiat kehrt auch vor der eigenen Haustür: Eine Fiat-Auftragsfertigung bei Pininfarina in San Giorgio Canavese sowie die sizilianische Fiat-Fertigung Termini Imerese müssen damit rechnen, abgewickelt zu werden. Auch das italienische Fiat-Werk Pomigliano, wo Alfas gebaut werden, droht eine Schrumpfkur. Die Hauptlast der Kürzungen würden damit die britische Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien sowie die Fiat-Fabriken in Italien tragen. Sprecher von Fiat und Opel wollten die Informationen nicht kommentieren.

Fiat ist jedoch offenbar bereit, für eine Übernahme auch politischen Streit in der Heimat in Kauf zu nehmen, an dem Schließungspläne in Italien bisher stets gescheitert waren. "Das belegt, dass Fiat für die Allianz eine Menge in die Waagschale zu werfen bereit ist", betonte der Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. "Die These, Fiat wolle sich auf Kosten von Opel sanieren, dürfte damit nur noch schwer aufrechtzuerhalten sein."

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