Große Pläne für Feinripphersteller
Joop glaubt an Zukunft für Schiesser

Wolfgang Joop hat seine Vorliebe für Feinripp entdeckt. Der Modedesigner sieht gute Chancen, den insolventen Wäschehersteller Schiesser schnell wieder auf gesunde Füße zu stellen. Gegenüber dem Handelsblatt zeigte sich der 64-Jährige zuversichtlich, den Umsatz des Konzerns innerhalb von drei Jahren zu verdoppeln. Allerdings ist noch unklar, ob Joop bei Schiesser zum Zug kommt.

POTSDAM. Bei seinem Vorhaben, den Unterwäschekonzern Schiesser wieder auf Vordermann zu bringen, wird der Modedesigner von einer Investorengruppe unterstützt. Namen der Beteiligten will Joop allerdings nicht nennen. Verhandelt wird das Projekt von der Beteiligungsgesellschaft Anthas aus Potsdam, die von den Investoren mandatiert wurde. Das Investitionsvermögen in Höhe von 500 Mio. Euro verwaltet die Berliner Anwaltskanzlei von Trott zu Solz Lammek.

Die Investoren hatten sich im Mai mit Insolvenzverwalter Volker Grub getroffen und ihr Interesse an Schiesser bekundet. Grub schien damals erfreut über das Angebot Joops, den traditionsreichen Wäschehersteller - bekannt vor allem als Erfinder des Feinripp - aus Radolfzell am Bodensee zu übernehmen. Seitdem herrscht jedoch Funkstille. "Wir verstehen nicht, warum Herr Grub den Verkaufsprozess verzögert", sagt Joop. So gehe kostbare Zeit verloren.

Am kommenden Dienstag trifft sich erstmals der Gläubigerausschuss. Insolvenzverwalter Grub will dem Gremium ein Angebot der Schweizer Familie Bechtler vorlegen, der über ihre Holding Hestatex das Unternehmen vom Bodensee seit den 20er Jahren gehört. "Die Familie hat mir ein Angebot für diesen Montag angekündigt", sagt Grub. Falls die Gläubiger diesem Forderungsverzicht zustimmen, ist das Unternehmen erst einmal gerettet. Im anderen Fall will Grub den Verkaufsprozess an externe Investoren vorbereiten.

Schiesser hatte am 9. Februar Insolvenz beantragt. Am 1. Mai eröffnete das Amtsgericht Konstanz das Insolvenzverfahren. Dem traditionsreichen Unternehmen, das mit 2 300 Mitarbeitern im vergangenen Jahr 130 Mio. Euro mit Unterwäsche, Bademoden und Sportbekleidung umsetzte, hatte die Familie im Februar den Geldhahn zugedreht. Vor allem wegen Problemen im Lizenzggeschäft hatte sich ein Schuldenberg von 80 Mio. Euro aufgehäuft.

Insolvenzverwalter Grub zeigt sich grundsätzlich "für alle Lösungen offen". Er will aber erst einmal das Angebot der Familie Bechtler prüfen. "Die Familie ist sehr seriös, finanziell abgesichert und hat in den vergangenen Jahren schon viel Geld in Schiesser investiert", sagt Grub.

Joop hält wenig von der Lösung. Und er hält auch wenig von den bisherigen Sanierungsschritten Grubs. Der Insolvenzverwalter trennte sich von der Lizenzfertigung für renommierte Marken wie Tommy Hilfiger und Puma, weil sie Verluste einfuhren. "Man muss solche Lizenzen auch führen können", kritisiert Joop Probleme in der Logistik.

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