Große Probleme
Für Thielert wird die Luft dünner

Eine Meldung von Thielert über die Zusammenarbeit mit Cessna hatte Ende vergangener Woche für heftige Kursausschläge gesorgt. Die Anleger glaubten fälschlicherweise an einen Auftrag – den der Flugzeugmotorenbauer auch dringend nötig hätte. Aktionärsschützer gehen mit Thielert hart ins Gericht.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. „Das, was hinter der Mitteilung über den vermeintlichen Cessna-Auftrag steht, ist ein Non-Event. Das grenzt an Kursmanipulationen“, sagte Markus Straub, der stellvertretende Vorsitzende des Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK), dem Handelsblatt. Operativ und finanziell scheint es bei Thielert immer enger zu werden.

Das Unternehmen hatte am vergangenen Donnerstag eine Mitteilung herausgegeben, die den Eindruck erweckte, es habe vom US-Flugzeugbauer Cessna einen großen Auftrag erhalten. Thielert erwarte „für die nächsten Jahre, Tausende Motoren ausliefern zu können“. Daraufhin war der Kurs um über 20 Prozent hochgeschnellt. Allerdings relativierte Cessna diese Darstellung wenig später, worauf die Aktie wieder um gut fünf Prozent nachgab. Es sei noch überhaupt nicht klar, ob es tatsächlich zum Einbau von Motoren kommen werde, hieß es. Frühestens Ende 2008 werde darüber entschieden, sagte ein Sprecher des US-Unternehmens.

Thielert hat einen Flugzeugmotor entwickelt, der sowohl mit Diesel als auch mit Kerosin betrieben werden kann. Das Aggregat eignet sich für kleine einmotorige Propellermaschinen. Das Unternehmen selbst sieht sich als Opfer einer Fehlinterpretation. Es hat seit 2004 eine Entwicklungspartnerschaft mit Cessna, aus der allerdings bislang noch kein Serienprodukt hervorgegangen ist. „Das neue ist nun, dass sich Cessna zu Thielert bekannt hat“, sagte ein Sprecher.

„Keine wirklichen Neuigkeiten“, kommentiert dagegen Will Mackie, Analyst von der Main First Bank, und stößt damit ins gleiche Horn wie SdK-Vorstand Straub. Er zweifelt auch die angegebenen potentiellen Stückzahlen an. Tatsächlich zeigt die jüngste Marktstatistik des Branchenverbandes General Aviation Manufacturers Association (GAMA), dass der Weltmarkt für Piston-Kleinflugzeuge – also Maschinen mit einem Kolbenmotor – 2006 gerade mal rund 2500 Flugzeuge umfasst hat. Rund 75 Prozent davon entfallen auf den US-Markt. Dort allerdings sind Aggregate, die auch Diesel verarbeiten können, kaum gefragt.

Dabei hätte Thielert eine feste Zusage eines Kunden wie Cessna dringend nötig. Denn das Unternehmen, das im November 2005 an die Börse gegangenen ist, steht mit dem Rücken an der Wand. So ist der operative Cash-Flow – also der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft – seit 2004 von minus 5,4 Mill. auf minus 11,4 Mill. Euro im Jahr 2006 gestiegen. Der freie Cash-Flow – das sind die Mittel, die dem Unternehmen nach Abzug der notwendigen Investitionen verbleiben – ist in der gleichen Zeit von minus 9,8 Mill. auf minus 38,7 Mill. Euro gestiegen.

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