Große Unruhe in Zusammenhang mit Porsche
Mitbestimmungsstreit: Bei VW stehen die Bänder still

Mehr als 40 000 Beschäftigte im VW-Stammwerk in Wolfsburg und anderen Produktionsstätten haben am Mittwoch für eine Stunde die Arbeit niedergelegt, um sich über den Mitbestimmungsstreit mit Porsche zu informieren. In der Belegschaft gibt es Ängste.

HB WOLFSBURG. Die Belegschaft sei beunruhigt und verunsichert über die künftige Entwicklung im Konzern nach der erwarteten Mehrheitsbeteiligung des Sportwagenbauers, berichtete der stellvertretende Vorsitzende des Konzernbetriebsrats Bernd Wehlauer. Das habe sich auch bei den Betriebsversammlungen an den sechs westdeutschen Standorten gezeigt. Die Arbeitnehmervertreter hatten dazu eingeladen, um die Arbeiter zu unterrichten.

Stein des Anstoßes ist eine Vereinbarung über die Mitbestimmung in der europäischen Aktiengesellschaft, in der Porsche seine künftige VW-Mehrheitsbeteiligung ansiedeln will. Sie war ohne Mitwirkung der VW-Betriebsräte entstanden und sieht für die knapp 325 000 VW-Werker im Aufsichtsrat der Holding ebenso drei Sitze vor wie für die 11 400 Porsche-Beschäftigten. Zudem bemängeln die Wolfsburger ein Vetorecht für die Porsche-Vertreter.

Die Unruhe der Beschäftigten sei auch durch frühere Äußerungen von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking geschürt worden, der mit Blick auf den Haustarifvertrag bei VW von „heiligen Kühen“ gesprochen hatte, berichtete Wehlauer. Jetzt werde der weltweiten Belegschaft im VW- Konzern eine angemessene Vertretung der Arbeitnehmer in der künftigen Gesellschaft Porsche/VW verwehrt, und zudem gebe es Medienberichte über die Gefahr einer Zerschlagung des Konzerns. „Da gibt es natürlich Ängste in der Belegschaft“, erklärte Wehlauer. Dem wolle der Betriebsrat durch sachliche Information entgegentreten.

Ein Porsche-Sprecher sagte zu den Aktionen in den deutschen VW- Werken, dies sein ein VW-internes Thema, das man nicht näher kommentieren könne.

In den Betriebsversammlungen habe es außerdem Unsicherheiten wegen des weitgehend abgeschafften VW-Gesetzes gegeben, berichtete Wehlauer. Er forderte erneut, dass die Teile des Gesetzes erhalten bleiben müssten, die der europäische Gerichtshof nicht beanstandet habe. Dazu gehöre vor allem die Vorschrift, dass wichtige Entscheidungen wie Standortverlegungen im Aufsichtsrat eine Zwei- Drittel-Mehrheit benötigten – also auch die Zustimmung der Arbeitnehmerbank. Wichtige Schutzfunktionen für die VW-Beschäftigten müssten erhalten bleiben.

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