Großflughafen Berlin Brandenburg International
Start frei für Airport Berlin

Der künftige Großflughafen Berlin Brandenburg International soll nicht nur mehr Besucher, sondern auch weitere Investoren in die Hauptstadtregion locken. Bereits diesen Herbst soll die heiße Phase der Flächenvermarktung rund um den Airport beginnen. Für Berlin könnte das Projekt Großflughafen eine kleines Jobwunder bedeuten.

BERLIN. Es hat sich herumgesprochen: Berlin tickt anders als der Rest der Republik. So ist es der Hauptstadt zum Beispiel gelungen, aus der Schließung von Tempelhof - eines Flughafens mit großer Vergangenheit, aber kleiner Bedeutung - ein Drama zu inszenieren, das die Stadt spaltete. Mit dem Volksentscheid vom 27. April ist diese Debatte beendet. Die Befürworter des künftigen Großflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld sind erleichtert: "Der Volksentscheid gibt unseren Kunden Planungssicherheit", sagt Ralf Kunkel, Sprecher des BBI.

Auch Detlef Stronk, Vorsitzender der Geschäftsführung der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB), schwärmt von der Anziehungskraft des BBI: "Der Großflughafen wird international als das wichtigste Zukunftsprojekt der deutschen Hauptstadtregion begriffen." Prognosen untermauern das: "Mitte der 2020er-Jahre dürften am BBI 40 Millionen Passagiere gezählt werden - gegenüber 20 Millionen an allen Berliner Airports heute", schreibt Eric Heymann von der Deutschen Bank Research in einer Studie. Für die Hauptstadt könnte das ein kleines Jobwunder bedeuten. So prognostiziert der Kölner Professor Herbert Baum, dass allein durch den BBI bis zum Jahr 2012 knapp 40 000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen werden.

Der Beginn der sogenannten "heißen Phase" in der Vermarktung der Flächen rund um den Flughafen wird für den Herbst erwartet, drei Jahre vor der geplanten Eröffnung. Nicht nur in Schönefeld selbst, sondern auch am "Airport-Korridor" zwischen Flughafen und Hauptbahnhof rechnet Birgit Steindorf vom Ansiedlungsteam der Wirtschaftsförderungsgesellschaften - Berlin Partner und ZAB - mit wachsender Nachfrage. Berlins Reize - seine Lebensqualität, die kreative Szene, die niedrige Kriminalität, das viele Grün, das große Angebot an internationalen Schulen und die hohe Zahl an hochqualifizierten Mitarbeitern - würden durch einen Flughafen, der interkontinentale Direktflüge anbietet, sehr gut verstärkt.

"Ein großer Vorteil für Berlin sind die geplanten regelmäßigen Anbindungen an Asien und die USA", sagt Britt Habermann, Leiterin Industrie Immobilien Berlin bei Jones Lang Lasalle (JLL). Asien-Reisende sparten gegenüber Frankfurt/M. etwa eine Stunde Reisezeit. Ein weiterer Vorteil des BBI ist die gute Anbindung an den Straßenverkehr. Kommenden Freitag wird die Autobahn A 113 eröffnet, "eine Ersparnis von sechs bis sieben Minuten Fahrzeit in die Innenstadt", sagt BBI-Sprecher Kunkel. Allerdings: "Wir sind noch in der Phase des Säens, nicht in der des Erntens", sagt Stronk von der ZAB.

Direkt am Flughafen konnte die Flughafengesellschaft bereits Anfang des Jahres den ersten großen Abschluss vermelden. Während es vermutlich noch eine ganze Weile dauern kann, bis Verträge für das 16 Hektar große "Midfield" zwischen Start- und Landebahnen unterzeichnet werden, hat sich der Projektentwickler Segro bereits ein Drittel - knapp 38 Hektar - des 109 Hektar großen "Business Park Berlin" gesichert. Die englische Aktiengesellschaft, Spezialist für Gewerbeparks in der Nähe von Flughäfen, hält darüber hinaus eine Option auf weitere 24 Hektar. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Doch es gibt auch Argumente, die Investoren zögern lassen: Neben der fehlenden Nachtflugerlaubnis ist der BBI noch nicht ausreichenden an öffentliche Verkehrsmittel angebunden. Wünschenswert wäre ein Airport Express, der im Viertelstundentakt vom Berliner Hauptbahnhof aus in weniger als einer halben Stunde Schönefeld erreicht. "Die optimale Anbindung des Flughafens ist Bedingung für seinen Erfolg bei Investoren", sagt Ignaz Trombello, geschäftsführender Gesellschafter von Colliers Trombello Kölbel in Düsseldorf. "Von zentraler Bedeutung für den Erfolg des BBI wird es sein, ob der Flughafen zwei oder drei große Markennamen nach Schönefeld locken kann, die dann einen Herdentrieb auslösen könnten." Es wäre denkbar, das Interesse solcher Unternehmen durch Subventionen zu erhöhen. Bevor nicht klar sei, ob die Ansiedlung solcher zentraler Nutzer gelinge, könne man keine Prognose wagen: "Einfach wird es sicher nicht werden."

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