Großgeräte
Medizintechnik sucht neue Märkte

Die erfolgsverwöhnten Hersteller von medizinischen Großgeräten Siemens, General Electric (GE) und Philips leiden stärker als erwartet unter dem Abschwung in den USA. Die aktuelle Verunsicherung zwingt die Hersteller von Großgeräten zur Neuorientierung: Sie blicken nach Asien. Dort wollen die Hersteller mit erschwinglichen Geräten punkten.
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FRANKFURT. Nach gesetzlichen Sparprogrammen, Wirtschaftsflaute und Kreditklemme sorgt aktuell die Unsicherheit über die Ausgestaltung der Gesundheitsreform für Zurückhaltung bei den Käufern, sagen die Hersteller.

Noch im Frühjahr hatte der niederländische Philips-Konzern die Hoffnung geäußert, dass die Nachfrage nach Computertomographen, Ultraschallgeräten und Ähnlichem im weltweit wichtigsten Markt USA um etwa neun Prozent zurückgehen wird. Nun könnten es sogar 16 Prozent werden, teilte Siemens unlängst bei einer Veranstaltung für Analysten mit. "Die jüngsten Daten von Siemens deuten auf einen schärferen Rückgang hin", meint Unicredit-Analyst Günther Holfelder. Zwar sind die Zahlen der Hersteller nicht exakt vergleichbar, weil sie sich zum Teil in unterschiedlichen Marktsegmenten bewegen. Aber die Neunmonatszahlen von Konkurrent GE, der kürzlich von bis zu 15 Prozent Nachfragerückgang auf dem Medizingerätemarkt berichtete, weisen in die gleiche Richtung.

Stabilisierung erst im Herbst 2010

GE-Healthcare-Chef John Dineen zeigt sich im Interview mit dem Handelsblatt nicht gerade zuversichtlich, was die Entwicklung im amerikanischen Großgerätemarkt anbelangt. Er rechnet im nächsten Jahr eher mit einer stagnierenden Entwicklung. Bei Siemens in München geht man davon aus, dass sich der rund 4,6 Mrd. Dollar schwere US-Großgerätemarkt erst im dritten Quartal des nächsten Jahres wieder stabilisiert. Unicredit-Analyst Hollfelder hält eine Erholung schon ab Jahresmitte für möglich.

Im Durchschnitt machen die Medizintechnikkonzerne rund 40 Prozent ihres Geschäfts in den USA, bei Siemens ist es mit rund einem Drittel etwas weniger, Philips macht fast 50 Prozent dort. Der niederländische Konzern kam in den ersten neun Monaten dieses Jahres in der Healthcaresparte mit einem Umsatzminus von vier Prozent auf 5,4 Mrd. Euro noch vergleichsweise glimpflich davon und konnte im letzten Quartal sogar wieder das Ergebnis steigern. Die Niederländer hatten sich bereits vor einem Jahr einen strikten Sparkurs verordnet und fünf Prozent der 32 000 Mitarbeiter in der Medizintechnik eingespart.

Bei Konkurrent GE sank der Umsatz von Januar bis September um zehn Prozent auf 11,3 Mrd. Dollar. Der Gewinn (EBIT) schrumpfte sogar um 21 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar. GE Healthcare will innerhalb eines Jahres insgesamt sieben Prozent der Stellen und 400 Mio. Dollar einsparen. Seit September vergangenen Jahres wurden 700 der weltweit 48 500 Medizintechnikarbeitsplätze abgebaut.

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