Großhandel schwächelt
Flaute in Brasilien und Preiskampf treffen Celesio hart

Der Wettbewerb in der Heimat ist hart, Hoffnungen auf neue Märkte erfüllen sich nicht: Der Pharmahändler Celesio steht vor Problemen. Die volle Kontrolle durch den Mehrheitsaktionär soll Abhilfe schaffen.
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FrankfurtDer Pharmahändler Celesio erwartet auch für den Rest des Jahres scharfen Gegenwind. Zwar werde Celesio 2014 in seiner Apothekensparte beim operativen Ergebnis zulegen - im Großhandelssegment werde jedoch nur in etwa das Vorjahresniveau erreicht, sagte Celesio-Chefin Marion Helmes am Dienstag auf der Hauptversammlung in Stuttgart laut Redetext. „Die staatlichen Sparmaßnahmen, die unbefriedigende Geschäftsentwicklung in Brasilien und der anhaltende Rabattwettbewerb in Deutschland werden unsere Umsatz- und Ergebnisentwicklung belasten“, erklärte Helmes. Celesio hatte vor wenigen Tagen angekündigt, wegen schwacher Geschäfte in Brasilien 80 Millionen Euro abzuschreiben.

Auf der Hauptversammlung sollten die Aktionäre unter anderem über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit dem amerikanischen Konzern McKesson abstimmen, der inzwischen laut Celesio gut 76 Prozent der Anteile hält. Der Konzern aus San Francisco hatte Celesio im Januar im zweiten Anlauf geschluckt und war dadurch auch in Europa zu einem der führenden Pharmahändler aufgestiegen. In den USA zählt McKesson bereits zu den Branchengrößen.

Für 2014 erwartet Celesio einen Umsatzanstieg im unteren einstelligen Prozentbereich, der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) soll ebenfalls leicht über Vorjahr liegen, bekräftigte Helmes. In Deutschland-Geschäft drückt der anhaltende Preiskampf um die Gunst der Apotheken auf die Gewinne. „Wir rechnen allerdings damit, dass sich die Situation in Deutschland schrittweise normalisiert“, erklärte Helmes. Der scharfe Preiswettbewerb hinterließ auch beim heimischen Branchenführer Phoenix aus Mannheim tiefe Spuren. Den Zwischenbericht zum ersten Halbjahr will Celesio am 31. Juli veröffentlichen.

Bei den verbliebenen Minderheitsaktionären warb die scheidende Celesio-Chefin um die Zustimmung zum geplanten Beherrschungsvertrag mit McKesson. „Um etwa Synergien im Einkauf zu realisieren, müssen McKesson und wir gegenüber Herstellern von pharmazeutischen Produkten als eine Einheit auftreten“, sagte Helmes, die nach der Hauptversammlung den Chefposten an den McKesson-Manager Marc Owen abgibt. Die Integration von Celesio in den US-Konzern und auch Investitionen in das Unternehmen erforderten zudem eine rechtliche Absicherung.

McKesson will Celesio über kurz oder lang von der Börse nehmen. Den restlichen Aktionären soll im Zuge des Beherrschungsvertrages eine Barabfindung von 22,99 Euro je Aktie angeboten werden. Das ist allerdings weniger als die 23,50 Euro, die McKesson den Aktionären bei der Übernahme geboten hatte. Der Hedgefonds Magnetar, der bereits auf einen höheren Preis beim Celesio-Kauf geklagt hatte, wollte nach früheren Angaben auch die geplante Barabfindung vor Gericht anfechten. Magnetar hielt zuletzt rund drei Prozent an Celesio.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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