Großkonzerne scheitern mit regionalen Marken
Interbrew fährt mit Altbier aufs Abstellgleis

„Ja, sind wir im Wald hier. Wo bleibt unser Altbier?“ In diesen Refrain des bekannten Düsseldorfer Karnevalsschlagers können inzwischen fast alle Altbierbrauer vom Niederrhein einstimmen. Allerdings in Moll, denn der Absatz der regionalen Spezialität ist seit einigen Jahren rückläufig und im September nochmals um fast 20 % eingebrochen.

DÜSSELDORF. Im benachbarten Köln hingegen fließt das Kölsch reicher denn je. Nach der Statistik des Verbandes rheinisch-westfälischer Brauereien legten die Kölschproduzenten bei idealem Biergartenwetter im September sogar fast 10 % zu und ließen die Düsseldorfer mit einem Absatz von 212 000 zu 185 000 Hektolitern hinter sich. Darüber freuen sich nicht zuletzt Marktführer Gaffel sowie das Management des so genanten Kölner-Verbundes (Marken: Sion, Gilden, Küppers, Kurfürsten), der sich im Portfolio der Dortmunder Brau und Brunnen AG befindet.

Zur desaströsen Lage des Altbiermarktes hat die Schwäche des Marktführers Diebels (Marktanteil: 60 %) nicht unerheblich beigetragen. Seit die Brauerei aus dem niederrheinischen Issum im Besitz der belgischen Interbrew ist, wurde sie schwungvoll nach unten durchgereicht. Zu ihren besten Zeiten auf Rang sechs der nationalen Biermarken-Hitliste, erreicht Diebels heute bestenfalls noch Platz elf oder zwölf. Die Probleme auf dem Altbiermarkt sehen Branchenexperten eng mit dem Niedergang von Diebels verknüpft. „Ein Nachteil ist sicherlich der lange Instanzenweg in einem Großkonzern wie Interbrew“, wertet Herbert Latz-Weber, Herausgeber des Getränke-Newsletter-Online, das Marktgeschehen. „Man kann eine Marke wie Diebels nicht von Bremen aus steuern“, hat auch Roland Tobias, bei Interbrew für das operative Deutschlandgeschäft verantwortlich, erkannt. Außerdem habe man Menschen und Emotionen unterschätzt.

Während sich Diebels zwei Jahre lang im freien Fall befand, nahm sich das Interbrew-Management erst einmal Zeit, „den Markenkernwert zu analysieren“, wie Diebels- Geschäftsführer Klaus Westerhaus berichtet. Doch jetzt habe man die Hausaufgaben gut erledigt, sagt Westerhaus und kündigt an, dass man sich in Issum künftig „verstärkt dem Niederrhein und dem Kernmarkt Nordrhein-Westfalen widmen“ will. Dies birgt keine Überraschung, wird Altbier doch zu 85 % in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland getrunken. Künftig will Diebels das Gastronomiegeschäft forcieren und sich im Segment der dunklen Spezialbiere (Köstritzer) positionieren. Dabei denken die Issumer auch an die Möglichkeit, huckepack mit der Interbrew- Marke Hasseröder gen Ostdeutschland zu ziehen.

Den dänischen Biermulti Carlsberg haben deutsches Dosenpfand und das Altbier-Geschäft so entnervt, dass er die Hannen-Braustätte in Mönchengladbach inzwischen an den Billig-Brauer Oettinger verkauft hat und nun an gleichem Ort die verblassten Marken Gatz und Hannen im Lohnauftrag produzieren lässt.

Profitiert von der Unfähigkeit der Großkonzerne, den regionalen Altbiermarkt in den Griff zu bekommen, haben die kleinen Düsseldorfer Hausbrauereien wie der „Uerige“ und die Privatbrauerei Frankenheim, die in der heißen Sommerzeit sowohl beim Alt als auch beim populären Biermischgetränk „Frankenheim blue“ jeweils 22 % zulegte. „Beide Marken befinden sich auch weiterhin im Aufwind“, freut sich Inhaber Peter Frankenheim. Klein aber fein präsentiert sich inzwischen auch die Marke Schlösser, die vom Eigner Brau und Brunnen als Hausbrauerei weitergeführt wird.

Insgesamt räumt Branchenexperte Latz-Weber dem Altbiermarkt keine großen Entwicklungsmöglichkeiten mehr ein: „Der Verbraucher hat im Bereich der dunklen Spezialbiere genug Alternativen“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%