Großverbraucher wie Bayer oder Heidelberg-Cement kalkulieren mit Zusatzkosten
Hohe Strompreise belasten Industrie

Die deutsche Industrie kalkuliert mit drastisch steigenden Stromkosten. Die Unternehmen müssten mehrere hundert Mill. Euro zusätzlich einplanen, um sich mit Strom für das Jahr 2006 einzudecken, sagte Alfred Richmann, Geschäftsführer des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), dem Handelsblatt. Wenn der Strompreis weitere steige, könnten die Zusatzkosten sogar auf über eine Mrd. Euro klettern.

DÜSSELDORF. Die Stromkunden aus der Industrie beklagen sich seit längerem über steigende Belastungen, in den vergangenen Monaten hat sich die Situation aber dramatisch zugespitzt. An der Leipziger Strombörse ist der Preis für eine Megawattstunde Strom in der Grundlast, die im Jahr 2006 geliefert werden soll, seit Anfang des Jahres um elf Euro auf rund 45,50 Euro geklettert. Betroffen sind vor allem energieintensive Branchen wie Stahl, Aluminium, Chemie, Zement, Glas oder Keramik, bei denen Strom zum Teil ein Drittel der Gesamtkosten ausmacht. Aluminiumhersteller schließen schon die ersten Werke.

Die Versorger begründen den Preisanstieg mit fundamentalen Faktoren wie teuren Rohstoffen. Vertreter der Industrie werfen der Energiebranche dagegen regelmäßig Manipulationen vor.



Bereits im ersten Halbjahr sei der Strompreis am Terminmarkt so kräftig gestiegen, dass die Unternehmen für 2006 mit Kosten von 9,8 Mrd. Euro kalkulieren müssten, 500 Mill. Euro mehr als für 2005, schätzt der VIK. Inzwischen seien die Preise aber noch weiter gestiegen. „Wenn der Aufwärtstrend anhält, müssen die Unternehmen für 2006 mit Ausgaben von deutlich mehr als zehn Mrd. Euro für die Strombeschaffung rechnen“, sagte Richmann.

Die Zahlen sind zwar nur grobe Schätzungen, die der VIK regelmäßig anhand der durchschnittlichen Strompreise am Terminmarkt berechnet. Konkrete Daten gibt es nicht, weil die Unternehmen sehr unterschiedlich Strom einkaufen. Große Unternehmen handeln direkt am Großmarkt, kleinere schließen langfristige Verträge mit unterschiedlichen Laufzeiten und Preisklauseln. Die Tendenz wird von großen Energieverbrauchern aber bestätigt. „Die Entwicklung ist sehr unerfreulich“, sagt ein Sprecher des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns Bayer. Bayer kaufe einen großen Teil des Stromes an der Börse ein: „Der Preisanstieg betrifft uns.“ Der hohe Strompreis in Deutschland sei für energieintensive Konzerne ein deutlicher Wettbewerbsnachteil gegenüber ausländischen Konkurrenten.

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