Industrie

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Großversorger unter Druck: Deutsche Stromausfuhr erreicht Rekordniveau

Wenn über die Energiewende gesprochen wird, dann meist über steigende Strompreise. Doch die wachsende Ökostrom-Produktion hat einen weiteren Nebeneffekt: noch nie wurde soviel Energie exportiert wie heute.

Deutschland legt bei Stromexport zu. Quelle: dpa
Deutschland legt bei Stromexport zu. Quelle: dpa

BerlinGut eineinhalb Jahre nach der Abschaltung der alten Atommeiler schnellte der Netto-Export in diesem Jahr bis einschließlich August mit 12,4 Terawattstunden auf ein neues Hoch, wie der Bundesverband der deutschen Energiewirtschaft (BDEW) am Freitag in Berlin mitteilte. Nach vorläufigen Zahlen erhöht sich mit dem Monat September der Wert sogar auf 14,7 Terawattstunden.

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Darin ist zwar auch der rein physische Stromfluss enthalten, etwa bei starker Windkraft-Produktion über die Grenzen. Dieser wird nicht bezahlt. Aber die gesunkenen Preise an den Strombörsen beflügeln nach Angaben des BDEW auch die Nachfrage vor allem aus den Niederlanden. Dort gingen dafür dann beispielsweise Gaskraftwerke vom Netz.

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Unterm Strich flossen dorthin bis September allein rund 15 Terawattstunden. Auch in die Schweiz und nach Österreich wurde kräftig geliefert. Dagegen bezog Deutschland aus Frankreich oder Tschechien deutlich mehr Strom als dorthin geliefert wurde.

Der VIK, der Verband der großen Stromabnehmer aus der Industrie, wollte die Exportzahlen nicht als Erfolg der Energiewende werten. Häufig produzierten Wind- und Solaranlagen, wenn keine Nachfrage vorhanden sei. Zudem drücke der Ökostrom Gaskraftwerke aus dem Markt, die aber etwa zu windschwachen Zeiten als Ausgleich für den Ökostrom gebraucht würden.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

  • Platz 1: China

    China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

  • Platz 2: USA

    Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

  • Platz 3: Japan

    Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

  • Platz 4: Russland

    Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

  • Platz 5: Indien

    Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

  • Platz 6: Kanada

    Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

  • Platz 7: Deutschland

    Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

  • Platz 8: Frankreich

    Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

    Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

  • Platz 9: Brasilien

    Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

  • Platz 10: Südkorea

    Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Wichtig sei daher der Ausbau der Netze und Speicher in Deutschland, sagte VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte erst am Donnerstag erneut auf den Kostenanstieg durch die Energiewende hingewiesen. Die Industrie verweist vor allem auf die niedrigeren Preise in Nachbarländern oder den USA.

  • 09.11.2012, 16:30 UhrMazi

    Zu welchem Preis wird die grüne Energie exportiert?

    Wenn ich das System recht verstehe, dann wird die grüne Energie zu Marktpreisen exportiert, also z.B. für 5 Cent. Je mehr die "grüne Industrie" "grünen Strom" produziert, desto mehr Förderung erhält sie (vom Verbraucher). D.h. die Strompreise steigen für die inländischen Verbraucher nach diesem Schema letztlich ins unendliche.

    Da hätte mal wieder eine Lobbygruppe einmal mehr sich sein eigenes Gesetz geschrieben.

    Das würde bedeuten, dass die grüne Industrie immer höhere Förderungen nach dem EEG erhielte, je mehr Strom sie produziert. Gleichzeitig wird der inländische Verbraucher nach dem EEG mit der Subvention pro produzierter Einheit belastet.

    Wenn dies tatsächlich zutreffen würde, dann wäre dies ein weiterer Nachweis dafür, dass im deutschen Bundestag die Lobbygruppen und nicht die Bürger vertreten sind.

    Ich bin kein Fachmann in diesem Thema. Aber es würde mich interessieren, ob das System so funktioniert. Schreiben Sie getrost Ihren Gegenkommentar oder die Bestätigung zu der Auslegung, wenn Sie Fachmann darin sind. Beides ist zu unserer aller Information willkommen.

    Wenn ja, dann brauchen wir dringend ein angemessenes Strafrecht für unsere "Volksvertreter" bevor das Volk selbst regulierend eingreift.

  • 09.11.2012, 16:56 Uhrdoc_johnny

    Der Exportrekord ist der klare Beweis dafür, daß es uns nicht gelingt mit regenerativen Energiequellen bedarfsgerecht Elektrizität zur Verfügung zu stellen.

    Wir verschleudern wertlosen Zufallsstrom und kaufen dann zum 50-fachen des normalen Preises Spitzenlaststrom ein, wie geschehen dieses Jahr im Februar morgens um 4:45. Derweil wehren sich Polen und Tschechien gegen deutschen Strom und installieren Phasenschieber, um nicht permanent den Zufallsstrom auf's Auge gedrückt zu bekommen.

    Grüner Wirtschaftswahnsinn 'at it's best'.

  • 09.11.2012, 17:02 Uhrmaria237

    @ Mazi
    Der Sonne und dem Wind ist es egal, wann Strom gebraucht wird. Deshalb muss die mit Photovoltaik und Windgeneratoren an sonnen- und windreichen Tagen zu Schleuderpreisen im europäischen Verbundnetz verramscht werden. Umgekehrt muss Deutschland nachts und bei windarmen Wetterlagen den Strom teuer aus dem europäischen Ausland beziehen ( meistens aus Frankreich und der Tchechei aus dortigen Kernkraftwerken!). Z. Zt. funktioniert dieses System so, weil die Erfinder des EEG keinerlei belastbare Simulationen darüber angestellt haben, was passiert, wenn man dieses maßlose Subventions- und Selbstbedienungssystem sich selbst überlässt. Altmaier jammert zwar über "bezahlbare" Strompreise, unternimmt aber nichts, weil ihm offenbar die technischen Zusammenhänge des UCTE-Netzes nach wie vor ein Rätsel sind. Vielleicht darf er auch nichts unternehmen, weil Schäuble natürlich über die kräftig sprudelnden Steuern dabei munter mitverdient.
    So wie diese sogenannte "Energiewende" politisch und technisch vorbereitet wurde, wird sie in einigen Jahren als Megaflop und Milliardengrab als Erinnerung an diese Regierung bleiben.

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