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Gründer steigen aus: Das Ende des grünen Wunders

Vom Szenegetränk der grün bewegten Bohème zur Coca Cola unter den Biomarken: Bionade hat für die Expansion ihre Authentizität verkauft – und damit ihren Erfolg. Nun verabschieden sich die Gründer von ihrem Lebenswerk.

Keine Ikone des guten Gewissens mehr: Die Bionade hat ihren Ruf durch die Expansion verspielt. Quelle: dpa
Keine Ikone des guten Gewissens mehr: Die Bionade hat ihren Ruf durch die Expansion verspielt. Quelle: dpa

DüsseldorfAuch die schönste Geschichte von einer besseren Welt geht irgendwann zu Ende. Die Geschichte von Bionade steuert auf ein unglückliches Ende zu. Die Gründerfamilie zieht sich ganz aus dem Unternehmen zurück. Die Brüder Stephan und Peter, Gründerväter und Galionsfiguren der Ökolimonade, haben ihre Anteile an der Biolimonadenfirma verkauft. Im Machtkampf mit dem Lebensmittelriesen Dr. Oetker haben die Kowalskys den Kürzeren gezogen.

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Die zum Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe übernimmt nun die kompletten Anteile der Bionade GmbH. Über den Preis für die 30-Prozent-Beteiligung der Kowalskys wird offiziell nicht gesprochen. In Medienberichten ist von einem einstelligen Millionenbetrag die Rede. Der Kaufpreis für die ersten 70 Prozent war vor drei Jahren noch auf eine höhere zweistellige Millionensumme beziffert worden. Ein Rückkauf der Anteile durch eine Genossenschaft war zuletzt immer wieder diskutiert worden. Auch Kowalsky bestätigt entsprechende Diskussionen. Doch die Pläne seien an den unterschiedlichen Vorstellungen der Beteiligten gescheitert. 

Dabei liest sich die Geschichte von Bionade zunächst wie ein modernes Wirtschaftsmärchen: Brauer Dieter Leipold, Kowalskys Schwiegervater, tüftelt Mitte der 90er an einer Limonade ohne Chemie, um seine kleine Brauerei im fränkischen Ostheim an der Rhön zu retten. Die neue Limonade soll gebraut werden wie Bier, aber alkoholfrei sein. Sie soll gesünder sein als die zuckerreiche Konkurrenz und fermentiert statt raffiniert. Rund 1,5 Millionen Euro steckt er in die Entwicklung, bis ihm schließlich der Durchbruch gelingt.

Nach ersten Erfolgen in Kurbädern und Fitnessstudios erobert die Bionade die Hamburger Szenekneipen und tritt schließlich ihren bundesweiten Siegeszug an. Bionade wird das Lieblingsgetränk der grünbewegten, urbanen Bohème. Ausgefallene Geschmacksrichtungen wie Holunder, Litschi, Kräuter, Ingwer-Orange und Quitte werden wieder en vogue. Offensiv und selbstironisch wirbt die Brause für sich als „offizielles Getränk einer besseren Welt“.

Ökolimo-Konkurrenten Welche Limonaden die Bionade verdrängen wollen

  • Ökolimo-Konkurrenten: Welche Limonaden die Bionade verdrängen wollen
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Peter Kowalsky wird als Erfinder des Zaubertranks von der Presse als „Miraculix von der Rhön“ gefeiert und zum Ökounternehmer des Jahres 2007 gekürt. Bionade ist das gallische Dorf der Getränkeindustrie. Eine kleine Provinzbrauerei, die nur knapp der Pleite entgangen ist, und den Getränkeimperien nun erbitterten Widerstand leistet. Zum Image gehört die Uneinnehmbarkeit und die Authentizität: ein Übernahmeangebot von Coca-Cola lehnt Kowalsky ab.

Doch das Image des guten Getränkekonzerns leidet unter der Expansion. Bionade kooperiert mit McDonalds, füllt seine Limonade in PET-Flaschen ab und beschädigt so den Ruf als nachhaltige Marke. Die Nachahmerprodukte der Konkurrenz – ob Beo, Bios, Sinconada oder Aloha - können Bionade den Erfolg anfangs trotzdem nicht streitig machen. Bis der Marktführer im Sommer 2008 seine Preise um satte 33 Prozent auf 0,79 Euro pro Flasche anhebt.

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