Grüne Technologien: Dem Elektroauto fehlen Ingenieure

Grüne Technologien
Dem Elektroauto fehlen Ingenieure

Bisher haben Deutschlands Autohersteller ihre Motoren auf Leistung getrimmt, nun dreht sich alles um die Schlagworte Energieeffizienz und Elektrifizierung. Der strategische Wechsel in der Unternehmenspolitik zwingt Hersteller und Zulieferer dazu, um die besten Köpfe zu werben – denn noch fehlen schlichtweg qualifizierte Nachwuchskräfte.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die deutsche Autoindustrie hat Schwierigkeiten, ihren Bedarf an Elektroingenieuren zu decken. „Wir suchen Ingenieure für mehrere Zukunftsfelder, vor allem für die Elektromobilität“, sagte BMW-Personalvorstand Harald Krüger dem Handelsblatt. „Es gibt in der Industrie einen hohen Wettbewerb um diese Ingenieure. Am schwierigsten ist die Rekrutierung in den Bereichen Mechatronik und Elektrotechnik“, sagte der BMW-Manager und schilderte einen Branchentrend.

Krüger muss das Personal für einen strategischen Wechsel in der Unternehmenspolitik rekrutieren. Bisher hat BMW seine Verbrennungsmotoren auf immer höhere Leistungen getrimmt, jetzt stehen Energieeffizienz und die Elektrifizierung im Fokus. Zunächst werden die großen Limousinen mit Hybridmotoren ausgestattet, bis spätestens 2014 sollen Elektroautos in Serie gebaut werden. Während konzernweit 10 000 Jobs gestrichen werden, sucht BMW mehrere Hundert Ingenieure.

Die Suche nach den neuen Experten beschäftigt die gesamte Branche. „Vor allem für neue Produkte und grüne Technologien werden weiter Nachwuchskräfte gesucht und eingestellt“, sagte eine Daimler-Sprecherin in Stuttgart. So werde das Traineeprogramm des Konzerns für Hochschulabsolventen auch in der Krise fortgesetzt. Auch Audi buhlt massiv: Die Ingolstädter stellen in diesem Jahr rund 250 Ingenieure neu ein mit dem Schwerpunkt alternative Antriebe und Leichtbau, wie eine Unternehmenssprecherin betonte. Audi hat sich zum Ziel gesetzt, „begehrtester Arbeitgeber“ für Akademiker zu werden und BMW damit abzuhängen. Zusätzlich wollen auch große Zulieferer wie Bosch oder Continental Systemlieferanten für die neuen Elektroautos werden.

Die Nachfrage trifft auf einen Markt, der nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) praktisch leergefegt ist. Waren vor zehn Jahren noch 15 000 Ingenieure arbeitslos gemeldet, so sind es jetzt noch 3 000, selbst in der Krise sind noch 11 000 Stellen offen. Mit rund 9 000 Absolventen pro Jahr verlassen aber zu wenig Studenten die deutschen Hochschulen, um den Bedarf zu decken. Der plötzlich einsetzende zusätzliche Bedarf der Autoindustrie nach Elektroingenieuren heize die Nachfrage weiter an, hieß es beim VDI. Bereits jetzt lägen die Einstiegsgehälter von Elektroingenieuren deutlich über dem Durchschnitt der Ingenieurberufe von derzeit 40 000 Euro.

Der Hunger nach studierten Technikern in der Autoindustrie wächst ständig, heißt es beim Branchenverband VDA in Frankfurt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Akademiker in der Branche auf heute 90 000 verdoppelt, die Masse sind Ingenieure. Die Aufstiegschancen sind gut: Mit Dieter Zetsche, Norbert Reithofer und Martin Winterkorn stehen ausschließlich Diplom-Ingenieure an der Spitze der Konzerne.

Dennoch stirbt der Nachwuchs aus. Seit 2005 ist die Zahl der Ingenieure über 50 Jahre erstmals größer als die der unter 35 Jahre. „Wir wissen, dass die Demografie in den nächsten Jahren bei uns genauso wie in der gesamten Gesellschaft gnadenlos zuschlägt“ , sagte BMW-Personalvorstand Krüger. „Wir werden in Zukunft verstärkt in anderen Weltregionen rekrutieren müssen.“

Fündig werden dürften die Deutschen vor allem in Asien. China, Südkorea und Japan arbeiten intensiv an dem Aufbau einer Autoindustrie, die ohne den Verbrennungsmotor auskommt. Die Asiaten haben einen großen Vorsprung bei Lithium-Ionen-Speichern, der Schlüsseltechnik für Elektroautos. Batterieproduzenten wie die chinesische Build Your Dreams (BYD) planen Elektroautos, ohne jemals ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor gebaut zu haben.

Die Deutschen versuchen die Lücke über Kooperationen zu schließen. VW und Audi unterhalten Allianzen sowohl mit BYD als auch mit Panasonic und Toshiba. BMW kooperiert mit Samsung und Bosch. Lediglich Daimler setzt mit Evonik auf einen rein deutschen Partner.

Der Weg zum Elektroauto

Technik

Voraussetzung für die Elektroautos ist die Speichertechnik. Reichweite, Leistung und Ladezyklen sind von entscheidender Bedeutung. Die geforderten Eigenschaften liefern die aus Laptops bekannten Lithium-Ionen-Batterien, die jetzt für den Masseneinsatz im Auto vorbereitet werden. Noch sind die Kosten zu hoch.

Verbreitung

Elektroautos werden zunächst auf Metropolen beschränkt bleiben. Nur in Städten lässt sich schnell ein Netz von Stromtankstellen aufbauen. Gleichzeitig dürfte das Elektroautos in vielen Städten bevorzugt werden, da es vor Ort keine Emissionen produziert. In Deutschland sollen bis 2020 eine Million E-Autos fahren.

Wettbewerb

Trotz Krise tobt die Konkurrenz. Die etablierten Konzerne investieren Milliarden. Frankreich und die USA verknüpfen Staatshilfen an die Autoindustrie mit der Förderung der E-Mobilität. China sieht im E-Auto die Chance, seinen Vorsprung in der Speichertechnik gegenüber Branchenriesen wie VW oder Toyota auszuspielen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%